Kulturwandel: Erwünschte Nebenwirkung

Es gibt viel zu tun in den meisten Unternehmen und Organisationen, kaum eine Organisation wartet auf einen Kulturwandel. Schließlich beklagen die wenigsten MitarbeiterInnen und Führungskräfte einen  Arbeitsmangel, auch wenn es mittlerweile ergänzend zum Burnout den Bore-Out gibt. Bekanntermaßen findet vielmehr eine Verdichtung der Arbeit statt, immer mehr muss von immer weniger Angestellten geleistet werden. Lassen wir mal die Kritik beiseite, die hier angebracht wäre, denn warum sollten wir endlos die Produktivität steigern und verkrampft versuchen, ewig weiter zu wachsen (die Antworten der Standardökonomie sind ebenso klar wie brüchig)? Darum geht es mir hier nicht. Ich möchte etwas anderes reflektieren: Wenn der Arbeitsdruck derart hoch ist, wie können dann noch die zusätzlich dauernd auftauchenden Veränderungs-Projekte mit dem Ziel von Kulturwandel erfolgreich durchgeführt werden? Zum Beispiel, indem ein Team noch im Hochseilgarten rumturnt? Die Lösung ist ganz einfach, dazu folgendes Fallbeispiel aus unserer eigenen Praxis:

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HHLA – Pseudokritik an Unternehmensdemokratie

 

HHLA – ein Fall gescheiterter Unternehmensdemokratie? Fangen wir von vorne an. HHLA? Das ist die Hamburger Hafen und Lagerhaus Aktiengesellschaft. Im März 1885 als Hamburger Freihafen-Lagerhaus Gesellschaft gegründet und bis heute auf über 5500 Mitarbeiter*innen angewachsen. Ihr Kerngeschäft besteht heute aus den vier Bereichen Container (drei von vier Containerterminals des Hamburger Hafens), intermodaler Verkehr (Containertransport auf Schiene und Straße) und Immobilien. Das erste mal wurde ich 2014 auf das Unternehmen aufmerksam. Damals suchte ich noch Fallbeispiele für mein letztes Buch „Alle Macht für niemand“ – und fand einen Artikel in dem Band „Zukunftsfähige Gesundheitspolitik im Betrieb“.

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Das Unmögliche wagen: Demokratie im Knast!

Ich habe vier Jahre Knasterfahrung. Ja, natürlich nicht als Insasse. Ich war von 1999-2003 honorarbeauftragter Musiktherapeut der Sozialtherapeutischen Strafanstalt Hohen-Asperg, Baden-Württemberg. Diese Einrichtungen sind bereits ganz besondere Gefängnisse. Dort finden sich all jene Gefangenen, die bereit sind, verschiedene therapeutische Angebote zu nutzen, um nach der Entlassung eine bessere Chance zur Reintegration zu haben. Mit anderen Worten: Dort finden sich Gefangene, die bereits ein relativ hohes Maß an Eigenverantwortung für ihre Taten übernehmen. Und was hat das nun mit Unternehmensdemokratie zu tun? Dreht der Zeuch jetzt völlig ab?

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Der Preis der Disruption

Disruption! Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, das man dem Tinnitus nahe ist: Alte, Jahrzehnte erprobte Industrien werden von den jungen disruptiven Innovatoren bedroht. Es sei fraglich, ob sie den Anschluss an sich radikal verändernde Märkte noch schaffen und die nächsten 20 oder 30 Jahre überleben. In diesem Zusammenhang fallen dann Namen wie Tesla und Uber ebenso sicher wie das Amen in der Kirche. Passt ja auch, zumal das Ganze Innovationsevangelistentum dank neuer, innovativer Jobtitel (Chief Innovation Evangelist) eine nachweislich religiöse Angelegenheit ist. Ergo werden entsprechenden Innovations-Bergpredigten gehalten, und der neue Messias tritt gleich in verschiedenen Gestalten auf. Elon Musk, ein Wunder, dass er nicht über Wasser laufen kann. Und Trevor Kannick hat ein so herrlich innovatives Führungsverständnis als kapitalistischer Möchtegern-Tyrann, dass ihm alle Rendite geilen Investoren die  Milliarden persönlich hinterhertragen. Mal ganz abgesehen davon, ob sich die permanenten Disruptionsbeschwörungen am Ende als richtig erweisen werden, stellt sich noch eine Frage, die bislang viel zu wenig diskutiert wird: Welchen Preis hat alleine nur der Versuch echter marktverändernder Innovationen?

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Reinventing Organizations. Ein Transformations-Placebo?, Teil 2

Nach dem Auftakt zu unserer Laloux Kritik von Mark ist dies nun der zweite Teil, in dem ich weitere Probleme aufzeigen werde. Unbestritten ist für uns der positive Effekt, den Lalouxs Buch auf die Transformations-Bewegung hatte und hat. Wenn durch sein Buch Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber oder auch Mitarbeiter inspiriert werden, sich auf die Reise zu einer “evolutionären” Organisation zu begeben, spielt es keine allzugroße Rolle, ob es konzeptuelle Schwächen oder sogar Widersprüche gibt. Problematisch wird es, wenn sich LeserInnen anfangen auf die Inhalte zu verlassen. Wer noch keine oder wenig Erfahrung mit alternativen Formen der Unternehmensgestaltung und -führung hat, läuft Gefahr, unbeabsichtigte Fallstricke zu übersehen. Es entsteht ein trügerisches Zielbild, was evolutionäre von traditionellen Organisationen unterscheidet und wie sie methodisch entwickelt werden können.

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Ein einmaliges Geschenk für die Mitarbeiter

1993 gründete Peter Neumark sein Unternehmen Classic Motor Cars (CMC)  in Bridgnorth, Shropshire gemeinsam mit zwei Kollegen und baute es vorwiegend mit eigenen Investitionen auf. Die drei teilten ihre Leidenschaft für Fahrzeuge der Marke Jaguar und begannen Ihre Arbeit von einer kleinen Geschäftseinheit auf dem Stanmore Industrial Estate. Ihre leidenschaftliche Mission bestand darin, gewissermaßen das Erbe von Jaguar Modellen wiederherzustellen. Und so belebten sie wieder einige der historischsten Jaguar Modelle, die je gebaute wurden, ganz zur Freude von Oldtimer Fans. In den Jahren von 1993 bis 2001 baute sich CMC eine hervorragende internationale Reputation auf, indem sie zunächst eine Menge verschiedener Jaguar Modelle liebevoll restaurierten.

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Die Digitalisierung kommt

Digitalisierung zu kurz gedacht: Smart Home

Digitalisierung in der Küche. Anzugtragende Männer. Storagemanagement. Zuerst habe ich eine ganze lange Weile nur gelacht. Laut. Mich auf dem Boden gerollt. Das Video erneut abgespielt. Und noch ein drittes Mal. Geschluckt. Mir die Augen gerieben. Den Kopf geschüttelt. Ich vermute, es ist vielen so gegangen, die das Image-Video von BSH Hausgeräte auf deren Facebook-Kanal angeschaut hatten. Erst dann wurde mir klar, dass der Film ernst gemeint war. Mein Kollege Mark Lambertz hat die kommunikative Dimension schon hier detailliert und stimmig beleuchtet, daher will ich nur rudimentär ergänzend auf den Inhalt und dann ausführlicher auf das größere Ganze blicken. Vielleicht vorweg noch: Mir ist nicht daran gelegen, BSH zu dissen, weil ich in Bashing verschenktes Potential zum Dialog und zur Entwicklung sehe. Nein, im Gegenteil, dieser Post ist als Anregung und konstruktive Kritik zu verstehen.

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Die neuen Labore für Wertschätzung und Sinn

Auf meinen Post aus der vergangenen Woche erreichten mich viele interessante Reaktionen. Die Meinungen gingen dabei weit auseinander. Einige Kommentatoren sprachen den VertreterInnen der Generation Y die ihr nachgesagten Besonderheiten ab; die Millennials trachteten im Durchschnitt genauso nach Sicherheit und Stabilität wie ihre Vorgänger. Andere sahen in den Digital Natives hingegen eine Altersgruppe mit außergewöhnlich hohem Veränderungspotenzial. Notfalls müsse diese die Generation ihrer Eltern zum Wohl aller auch „überholen”. Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft insgesamt gehe es schließlich darum, mehr Wertschätzung, Demokratie und Nachhaltigkeit zu erreichen. Weiterlesen

Business Intelligence und die digitale Reise von OTTO

Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Viele Unternehmen suchen ihr Glück in Daten und Automatisierung. Auch bei OTTO stellen wir uns die Frage, wie wir uns den technologischen Fortschritt zunutze machen können, um unser Business optimal am Markt auszurichten und den Markt in unserem Sinne zu gestalten.

In genau diesem Kontext bin ich am 23. und 24. Mai 2016 auf die Konferenz Die digitale Zukunft der Supply Chain in Düsseldorf als Referent eingeladen. Dort werde ich den Stand und die Zielsetzung der digitalen Reise von OTTO im Kontext Business Intelligence vorstellen. Auf dieser Konferenz gehe ich im Rahmen eines Vortrages auf Themen ein, die nachfolgend kurz anreißen werde.

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Lernen von den Widersprüchen der Landkooperativen Longo maï.

Vor kurzem habe ich eine neue Empfehlung in meinem Rezensionsblog „Zeuchs Buchtipps“ veröffentlicht: „Landkooperativen Longo maï. Pioniere einer gelebten Utopie.“ Die Lektüre über die verschiedenen, zusammenhängenden Landkooperativen war durchaus anregend, alleine schon aufgrund der differenzierten Darstellung durch den Autoren Andreas Schwab und die schöne Aufmachung mit zahlreichen Farbfotos durch den Rotpunktverlag. Während des Lesens wurde mir klar: Von Longo maï können (angehende) Unternehmensdemokraten viel lernen. Denn trotz aller Widersprüche, die sich in den Kooperativen finden lassen, sind sie einen anregende Quelle der Inspiration, wie Arbeiten auch anders funktionieren kann.

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