Unternehmensdemokratie ist gesund

Unternehmensdemokratie soll gesund sein? Warum das denn? Darum: Im Oktober 2015 veröffentlichte ich hier im Blog den Post „Die Klassiker der Epidemiologie: Whitehall I + II„. Damals skizzierte ich kurz die Ergebnisse dieser bis heute bahnbrechenden Sozio-ökonomischen Studien, die bereits 1984 und 1991 publiziert wurden. Sie zeigten schon damals einen klaren Zusammenhang zwischen dem Sozio-öklnomischen Status von Arbeitnehmer*innen und deren Gesundheit bis hin zur Sterblichkeit. Die Ergebnisse pointierte ich seinerzeit so: „Zugespitzt ließe sich sagen: Mit- und selbstbestimmte Arbeit erhöht die Chance, gesund zu bleiben.“ Nun wurde Ende März 2017 eine spezifisch deutsche Studie mit ähnlichen Fragestellungen vom Institut für medizinische Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abgeschlossen, die sogar eine noch größere Stichprobe aufweist. Die Ergebnisse stützen Whitehall I + II, ergänzt um spezifisch deutsche sozio-ökonomische Bedingungen: Das Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland.

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Arbeitszufriedenheit und Leistung

Hängen Arbeitszufriedenheit und Leistung zusammen? Leistet mehr, wer zufriedener bei der Arbeit ist? Davon gehen jedenfalls viele VertreterInnen Neuer Arbeit aus. Da macht es natürlich was her, wenn wir plötzlich zeigen könnten, dass es da keinerlei Zusammenhang gibt. Und siehe da: Natürlich findet sich auch dazu etwas: Die Beraterin und Autorin Svenja Hofert berichtet über eine Metastudie, die klarstellt, dass es keinen überzufälligen Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung gäbe. Das provoziert mich natürlich sofort. Und zwar in zweifacher Hinsicht: Erstens wurde sowohl bei den Studien, die in der Meta-Studie untersucht wurden, als auch in der Meta-Studie selbst mehrere zentrale Aspekte nicht beachtet. Das führt logischerweise zu dem genannten Ergebnis. Zweitens, und das ist mindestens ebenso wichtig, wurde von den Forschern eine zentrale Frage nicht gestellt, die ich mittlerweile wesentlich wichtiger finde, als alle Leistungsbeurteilungen: In welcher Welt wollen wir leben?

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Automatisierung. Und wo bleibt die wesentliche Frage?

Automatisierung ist auf dem Vormarsch. Immer mehr menschliche Arbeit wird durch Robotik ersetzt. In manchen Bereichen ist dies wünschenswert, denn wer hat schon Spaß an stupider, häufig gefährlicher und gesundheitsschädigender Arbeit? In anderen Bereichen sieht das ganz anders aus. Zunehmend öfter kommen auch Berufe in den Sog der Automatisierung, die wir klassischerweise als Wissensarbeit bezeichnen würden. Da sollen bald Ärzte und Berater durch künstliche Intelligenz und Robotik ersetzt werden.

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Führungskräfte bewerten Mitbestimmung positiv

Was denken Führungskräfte über Mitbestimmung? Oft zeichnet sich folgendes Bild ab: Wenn sich Organisationen tiefgreifend verwandeln scheint ein Hindernis besonders häufig zu sein – die Lehmschicht. So manche zum Teil alteingesessenen Führungskräfte des Mittelbaus sehen diesen Wandel äußerst kritisch, distanzieren sich von Agilität und New Work, von Selbstorganisation und Unternehmensdemokratie. Diese Erfahrung haben vermutlich schon so manche Berater*innen gemacht. Ich inklusive. Diese kritische Distanz zu alternativen Konzepten der Unternehmensführung und -gestaltung, die teilweise gefühlt in eine Blockadehaltung übergeht, erscheint mit einem Hauch kritischer Reflexion von Transformationen ausgesprochen nachvollziehbar: Jahrelang hatten sich diejenigen, die jetzt den Mittelbau bevölkern, hochgearbeitet. Sie waren Akteure in einem Spiel, dessen Regeln andere geschrieben hatten.  Weiterlesen

Geld, Unternehmensdemokratie und Neue Arbeit

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen unserem modernen Geld in physischer und virtueller Form sowie Neuer Arbeit und Unternehmensdemokratie? Es erscheint mir ein bisschen größenwahnsinnig, das in einen Blogpost packen zu wollen. Schließlich herrscht ja nicht einmal Einigkeit darüber, was Geld eigentlich ist. Die Wirtschaftswissenschaftler halten es naiverweise immer noch für  eine logische Folge früherer Tauschwirtschaften. Das indes ist nicht ganz so stichhaltig, wie David Graeber in seinem Werk „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“ belegte. Der leider viel zu wenig bekannte, aber dafür umso großartigere buddhistische Ökonom Karl-Heinz Brodbeck zeigte vielmehr, das Geld eine Art zu Denken ist, was mir viel plausibler erscheint. So oder so. Versteht dies bitte als kleinen, bescheidenen Impuls, nicht mehr.

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Kooperation schlägt Konkurrenz

Im Februar 2017 veröffentlichte ich hier im Blog den Artikel „Sozialdarwinismus. Die Mär vom Kampf aller gegen alle„. Dort führte ich aus, das die altbekannten sozialdarwinistischen Argumente für einen ökonomischen Verdrängungswettbewerb nicht haltbar sind. In diesem Beitrag werde ich ein weiteres Puzzlestück über Konkurrenz vs. Kooperation hinzufügen. Im September 2016 erschien in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) ein äußerst interessanter Studienbericht über das Kooperationsverhalten von Schimpansen. Einmal mehr wird deutlich: Selbst in der rauen Natur lässt sich die Annahme eines allumfassenden Wettbewerbs beziehungsweise einer damit verbundenen Konkurrenz nicht aufrechterhalten.

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Radical Collaboration – Interview with Jim Tamm (Part 1)

Following Mark’s post on Misconceptions of Self-Organization, I am excited to present to you our second article in English. Recently, I had the opportunity to talk to Jim Tamm, one of the authors of Radical Collaboration. At the end of an inspiring training course in Jacksonville, Florida, Jim agreed to have an extensive interview with me on how to bring collaboration, participation and, potentially, democracy into organizations. As a former judge turned consultant, Jim has decades of experience working with public and private sector entities. He explains his approach vividly in his TEDx talk. Weiterlesen

Der Ruf nach Freiheit

In der Auseinandersetzung um die Frage, ob die Demokratisierung der Arbeitswelt wirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll ist, kommt es zwangsläufig zu einer weiteren Frage: Wollen MitarbeiterInnen überhaupt selbstbestimmt arbeiten? Auf diversen Veranstaltungen, bei denen ich als Redner oder Workshopleiter dabei bin, höre ich immer wieder: Die MitarbeiterInnen wollen doch gar nicht. Das ist zweifelsfrei in manchen Fällen richtig, muss dann aber noch differenziert werden. Mussten die MitarbeiterInnen zuvor jahre- oder gar jahrzehntelang fremdbestimmt arbeiten? Oder sind es MitarbeiterInnen, die frisch in den Beruf kommen und von sich aus einen 9 to 5 Job wollen? Und dann stellt sich noch die Frage: Sind diejenigen, die gesagt bekommen wollen, was sie wie bis wann zu tun haben, die Mehrheit? Nun liegt eine aktuelle Studie vor. Sie wurde von Hays, der ZukunftsAllianz Arbeit & Gesellschaft e. V. (ZAAG) und der Gesellschaft für Wissensmanagement e. V. (GfWM) mit empirisch-wissenschaftlicher Unterstützung des Lehrstuhls für Strategie und Organisation, Prof. Dr. Isabell M. Welpe, TU München durchgeführt. Die Ergebnisse sprechen klar für eine Demokratisierung der Arbeitswelt. Weiterlesen

Erfolg macht unfair

Die Demokratisierung der Arbeit hat auch etwas mit dem menschlichen Wunsch nach Gerechtigkeit und Fairness zu tun. Wer möchte schon freiwillig übervorteilt, absichtsvoll belogen, beschummelt oder gar betrogen werden? Erfahrungsgemäß ist aber genau das ein Teil des normalen Arbeitslebens. Natürlich nicht für jedermann und -frau, tagtäglich in allen Situationen. Aber es ist etwas, was wir immer wieder beobachten können und was viele schon selbst unangenehm bis leidvoll erlebt haben. Nun veröffentlichten  die beiden israelischen Wissenschaftler Amos Schurr von der Ben-Gurion Universität und Ilana Ritov von der Hebräischen Universität Jerusalem im Februar 2016 die Ergebnisse einer Studie, die gerade im Kontext „Arbeit“ zu denken geben.

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Divergierende Interessen führen zu besserer Entscheidung

Wenn in einer Gruppe unterschiedliche Interessen vorliegen, führt das zu besseren Ergebnissen, als wenn zu viel Einigkeit herrscht. Das mag viele überraschen. Denn Streit ist vorprogrammiert, man verschwendet Zeit mit ärgerlichen Verhandlungen darüber, was wichtig und richtig ist. Wie kann das zu einer besseren Entscheidung führen? Die Antwort haben Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin und der London School of Economics (LSE) herausgefunden. Und zwar an verschiedenen Gruppen von Erdmännchen. Die Ergebnisse sind zunächst wider den gesunden Menschenverstand, aber nach kurzem Mit-Denken durchweg logisch und nachvollziehbar.

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