Deals statt Politik?

Deals statt Politik

Kann man Staaten wie Unternehmen führen?

Deals statt Politik? Seit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA weht ein neuer Wind: Anstatt von Diplomatie und Multilateralismus werden jetzt Deals geschmiedet und der Ton ist rauer geworden, denn das ist so im „Big Business“ üblich. Mittlerweile gibt es ähnliche Tendenzen auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Tschechien. Dort hat der umstrittener Milliardär Andrej Babiš das Rennen gewonnen und will nun Politik auf Grundlage von „Deals“ machen. Er möchte auch, ähnlich wie Donald Trump, den Staat wie ein Unternehmen führen. Doch ist das wirklich möglich oder gar sinnvoll?

Grundsätzlich ist das möglich. Die Frage ist jedoch, was man unter Führung eines Unternehmens versteht. Die Politik steht immer in der Spannung, einerseits bei der wählenden Bevölkerung gut anzukommen und andererseits Problemlösungen anzubieten. Dies ist nur scheinbar kein Widerspruch, aber in der Realität sind manche Lösungen notwendigerweise nicht populär.

Die Politik darf der Bevölkerung nicht nach dem Mund reden

Seröse Politik darf niemals ausschließlich das tun, was in der breiten Masse oder einer lauten Minderheit der Bevölkerung gut ankommt. Das nachhaltige Lösen von Problemen ist nie möglich, wenn man auf schnelle Zustimmung und kurzfristige Ergebnisse schaut. Es gibt durchaus Entscheidungen, die im ersten Moment unpopulär, langfristig aber sinnvoll sind.

Als Beispiel kann man hier die Regelungen nehmen, die man in Deutschland unter dem Begriff „Hartz-Gesetze“ kennt. Auch wenn dabei viele Fehler gemacht wurden und dadurch ein großer Sektor prekärer Beschäftigungen entstanden ist, so ist die grundsätzliche Entscheidung, das Ablehnen von machbarer Arbeit zu sanktionieren, sinnvoll aber sicher nicht populär. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass Deutschland wirtschaftlich stabil und international sehr wettbewerbsfähig ist.

Ein anderes Beispiel wäre die Abschaffung des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland. Aus Sicht der Privatversicherten und der Anbieter privater Versicherung wäre diese Entscheidung sicher unpopulär. Jedoch würde es die gesamte Gesellschaft deutlich weiterbringen, weil die Basis der Allgemeinheit deutlich gestärkt würde, weil Gutverdiener und Beamte in den gleichen Topf einzahlen würden.

Die Politik muss dem Markt Regeln geben

Ähnliches gilt für die Märkte allgemein. Oft wird es kritisiert, wenn Politik Regeln einzieht, um Einfluss auf den Markt zu nehmen. Dies ist aber nicht nur richtig, sondern sogar notwendig. Wer heute noch glaubt, dass sich der Markt von selbst reguliert, hat einige Schüsse der vergangenen Jahre und insbesondere den Knall von 2008 nicht gehört. Ein Markt ohne politische Regulierung führt unweigerlich dazu, dass der Starke immer stärker wird und sich immer durchsetzt. Das ist das Gegenteil von Solidarität und Fairness. Gesellschaftliche Spannungen bis hin zu offen ausgetragenen Konflikten sind unweigerlich die Folge. Ein erster Effekt dafür ist, dass Teile der Bevölkerung auf die Paranoia fragwürdiger, undemokratischer Parteien und Kandidaten hereinfallen und dabei die Gesellschaft massiv gespalten wird.

Führung oder Führer?

Der Übertrag aus dem Wirtschaftsumfeld in die Politik ist möglich. Aber nur unter der entscheidenden Voraussetzung, dass man ein Unternehmen auch richtig führt. In dem Moment, wenn man als Entscheider in einem Unternehmen kein Unternehmer ist, sondern Egomane mit Profilneurose, ist die Übertragung auf die Führung eines Staates nicht möglich und schon gar nicht sinnvoll.

Führt man ein Unternehmen jedoch im Kontext einer breiten und langfristigen Verantwortung mit Respekt vor allen anderen und Weitsicht, so ist eine Übertragung auf die Politik durchaus möglich.

Unternehmen müssen, genauso wie Staaten, fähig sein, mit mehreren Instanzen und verschiedenen Interessenslagen einen Weg zu finden, dass alle Beteiligten sich mit einer Lösung wohl fühlen, ihre Interessen dort wiedererkennen und ihr Gesicht wahren können.

Wenn Donald Trump dem Slogan „America first“ hinterher rennt, ist dies ein Garant dafür, dass er als Präsident scheitern wird. Seine Politik führt nach nicht mal einem Jahr Amtszeit dazu, dass sich die USA international immer weiter isolieren. Außerdem muss jedem klar sein, dass wenn ein Mensch wie Donald Trump „America first“ sagt, eigentlich „Trump first“ meint. Dies macht ihn leicht manipulier- und beeinflussbar, wie man bei seiner Asienreise in diesem Monat gesehen hat.

In vergangenen Beiträgen haben wir bereits über typische Fehler von Unternehmen gesprochen, die einseitig auf Wachstum setzten und dabei ihre strategischen Krisen ignorieren. Letztlich geht es immer darum, die eigenen Interessen im Kontext anderer Interessen und eines großen Ganzen zu bewerten und zu vertreten. Damit es einem selbst gut geht, muss es auch anderen gut gehen. Diejenigen, die ausschließlich auf sich selbst schauen und der Ansicht sind, dass wenn jeder nur an sich selbst denkt, an alle gedacht sei, denken extrem kurzfristig und ignorieren die Tatsache, dass genau so Konflikte und mitunter auch Kriege entstehen.

Menschen und Gruppen von Menschen werden immer unterschiedliche Interessen haben. Die Kunst von guter Führung ist es, diese Interessen in ein großes Ganzes zu vereinen, in dem alle gleichermaßen vorkommen. Dabei sind Kompromisse und Differenzen unweigerlich die Folge. Hier ist eine gute Führung gefragt, diese Konflikte aufzulösen. Das gilt gleichermaßen in der Wirtschaft als auch in der Politik.

Deals statt Politik – ein Irrweg

Wer nur Deals macht, um damit ausschließlich oder primär eigene Interessen zu befriedigen, womöglich auf Kosten anderer, wird mit der Führung eines Staates aber auch eines Unternehmens scheitern. Die Frage ist zudem, welche Konsequenzen dieses Verhalten auf lange Frist haben wird. Entsteht gerade ein neues Model für staatlich protektierten Super-Kapitalismus oder gewinnt letztlich doch noch die Vernunft?

 

Bildnachweis:

  • Das Parlament und das Rathaus in Wien (Titelbild): Mario Buchinger
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