Ist Unternehmensdemokratie eine verantwortungslose Utopie?

Im Wirtschaftsmagazin „enorm“ veröffentlichte Reinhard Sprenger einen ebenso überraschenden wie absolut erwartbaren Artikel: „Demokratie in Firmen geht nicht„. Ein Titel, ebenso prägnant wie riskant. Denn er beinhaltet eine Behauptung, die zu beweisen ist, wenn sie mehr als bloße subjektive Meinungsmache sein soll. Aber das Beste kommt erst danach im Teaser zum Artikel: „Demokratie in Unternehmen – wer diese Utopie fordert, lässt sich von seiner Gesinnung leiten, handelt aber nicht verantwortlich.“ Darin fällt mir zweierlei auf: Erstens die Diskreditierung eines aus der unternehmerischen Praxis nachweisbaren Führungskonzepts als „Utopie“. Zweitens die – freundlich formuliert – fragwürdige Feststellung, wer diese Utopie fordere, handele unverantwortlich. Angriff, so scheint es, ist die beste Verteidigung.

Überraschend war das Niveau von Sprengers Demokratiekritik: Leider reiht sich Sprenger größtenteils in die Reihe der gegenstandslosen Skeptiker und Defätisten ein. Bis auf einen Punkt, mit dem er endlich eine echte Herausforderung der Unternehmensdemokratie anspricht. Da hätte ich von Herrn Sprenger mehr erwartet, zum Beispiel so etwas wie eine empirische Fundierung seiner Meinung. Das Überraschende war gleichzeitig das Erwartbare: Das Fehlen einer faktischen Untermauerung seiner Kritik.

Die Grundlage der Ökonomie

Friedman

Milton Friedman

Faszinierend ist ein kurzes Statement, das Sprenger erst im letzten Absatz präsentiert, denn es macht klar, wes Geistes Kind er ist: „Das Einzige, was zählt, ist die profitorientierte Schaffung von Kundennutzen.“ Das erinnert irgendwie an das bekannte Diktum Milton Friedmans, der einzig soziale Zweck eines Unternehmens sei die Gewinnmaximierung. Ob Sprengers Aussage nun eine nahrhafte Variante von Friedman ist oder eine Kalorien reduzierte Version, sei dahingestellt. Jedenfalls ist damit klar, wo die Prioritäten liegen. Interessant ist dabei die vollkommen ausbleibende (Selbst-)Reflexion, dass dies nur eine bloße persönliche Meinung ist, aber keineswegs ein Naturgesetz. Nein, statt dies als seine maßgebliche Meinung zu markieren, erscheint die Formulierung im Gewande eines unumstößlichen Naturgesetzes, deren Gravitation sich niemand entziehen kann. Ökonomie wird behandelt, als wäre sie kein Ergebnis sozialer Interaktionen, sondern eine von Menschen unabhängige Naturgewalt, die wir nur verstehen und beschreiben, aber nicht gestalten können: „Dem Markt können wir vertrauen – jedenfalls mehr als poetologischen Fundamentalisten.“ Da klingt das alte Missverständnis von der unsichtbaren Hand durch. Und eine ebenso undefinierte wie obskure Beschreibung einer nebulösen Personengruppe. Aber sei’s drum, im Kern wird klar: Wenn Profit und Kundennutzen stimmen, spielen die Produktionsbedingungen keine Rolle: Welcome Bangladesh.

Geschichte der Unternehmensdemokratie light

Webb - Industrial Demorcacy #2

Unternehmensdemokratie war schon lange vor den 1970ern thematisiert.

Sprenger kommt, genauso wie es mir bei jedem Vortrag widerfährt, zu der Kritik, die Idee der Unternehmensdemokratie sei ja nicht neu. Wohl wahr. Allerdings ist die Idee wesentlich älter, als dann von den Kritikern behauptet wird. Nein, die Idee stammt nicht aus den 1980ern, wie meistens gemutmaßt, sie wurde auch nicht, wie Sprenger konstatiert („Das alles ist nicht neu.“), ein Jahrzehnt früher erfunden. Weit gefehlt. Das mir erste bekannte Buch zu dem Sujet der Unternehmensdemokratie wurde 1897 (sic!) von Sydney und Beatrice Webb veröffentlicht: „Industrial Democracy“. Der deutsche Kaufmann, Wirtschaftsjournalist, Gewerkschafter und spätere israelische Finanzminister Fritz Naphtali veröffentlichte in den 1920ern sein Werk „Wirtschaftsdemokratie. Ihr Wesen, Weg und Ziel“, mit dem er sich auf die Vorarbeit von Webb und Webb bezog.

Und wer genau liest, stellt fest, dass schon im obigen Absatz drei Begriffe im Umlauf sind: Industrielle Demokratie, Wirtschafts- und Unternehmensdemokratie. Weil mir das als Autor dieser Zeilen klar ist, habe ich diese und noch einige verwandte Konzepte mehr in meinem Buch „Alle Macht für niemand“ miteinander verglichen und einen Vorschlag zur weitergehenden Definition gemacht. Alleine dieser Teil der Begriffsklärung umfasst ein ganzes Kapitel. Allerdings scheint Sprenger, so wie andere Kritiker auch, einen von anderen Menschen losgelösten Diskurs zu bevorzugen, denn an keiner Stelle nimmt er Bezug auf andere Protagonisten der aktuellen Diskussion, wie Thomas Sattelberger, Prof. Dr. Isabell Welpe und PD Dr. Andreas Boes, die Ende September 2015 den sehr guten Sammelband „Das demokratische Unternehmen“ herausgegeben haben. Natürlich findet sich auch keine konkrete Kritik an meinem Buch und den dort ausgearbeiteten Argumenten wie Fallbeispielen. Statt dessen die wohlklingende Formulierung von „poetologischen Fundamentallisten“. Wen genau Sprenger damit meint, bleibt er dem Leser schuldig.

Unabhängig von dieser oberflächlichen Recherche und einem beziehungslosen Diskurs stellt sich eine ganz andere Frage: Was soll eigentlich damit gesagt oder gar belegt werden? Da dies keiner der geschichtlich argumentierenden Kritiker der Unternehmensdemokratie klarstellt, bleibt die Frage offen. Interessanterweise wird aber immer das übersehen, was meiner Auffassung nach den relevanten Unterschied zwischen damals und heute ausmacht: Weder in den 1970ern noch den 80ern, geschweige denn in der Zeit davor, hatten wir die technischen Möglichkeiten, Arbeit tatsächlich sinnvoll demokratisch zu gestalten. Heute verfügen wir über mobile Computing (vulgo: Smart Phones und Tablets) Entscheidungsmärkte, Online Konsensieren, Appstimmen, interne Wikis, soziale Netzwerke und dergleichen mehr. Sprich: Heute könnten wir aus technischer Sicht auch mehrere Hunderttausend MitarbeiterInnen eines Konzerns über die zentrale Fragen des Unternehmens in einem angemessenen Zeitraum mit entscheiden lassen. Das war damals nicht möglich. Das Neue besteht also nicht in der grundsätzlichen Idee, was ich an keiner Stelle behauptet habe. Es liegt statt dessen vielmehr in den definitiv neuen Möglichkeiten, die Demokratisierung der Arbeit weitflächig zu verwirklichen.

Drei zentrale Argumente gegen Unternehmensdemokratie

Sprenger beschreibt drei Problemzonen, die durch Unternehmensdemokratie hervorgerufen werden: Eigentum, Effizienz und Langsamkeit. Schauen wir uns das mal genauer an:

1. Eigentum

ParagraphenDas ist in der Tat eine offene Frage. Wie kann ein Unternehmen gemeinsam geführt werden, ohne das die Risiken von Verlust und Haftungsfragen beim Inhaber alleine verbleiben? Natürlich gibt es darauf bereits zwei erprobte Antworten, auf die Sprenger nicht  eingeht: Genossenschaften und (soziale) Stiftungsunternehmen. Natürlich finden sich auch in meinem Buch genau dazu entsprechende Beispiele, über die dann konkret diskutiert werden kann. Darüber hinaus kann in jeder GmbH auch jeder zum Geschäftsführer und Gesellschafter gemacht werden. Das passiert zwar bislang nicht, wäre aber möglich. Alleine das Verrückte an dieser Idee öffnet neue Diskussionsräume, wie ich neulich mit einer Inhaberin und Geschäftsführerin feststellen durfte.

Etwas fraglich ist in diesem Zusammenhang Sprengers Behauptung, „Eigentum ist die Basis von Freiheit“. Alleine die Formulierung im Indikativ macht klar, dass der Autor die Deutungshoheit bei sich versammelt, andersartige Konzepte von Freiheit werden damit apodiktisch ausgegrenzt. Zum Ausgleich findet sich dann auch nirgendwo eine Reflexion darüber, ob wir möglicherweise mal unsere Legislative in einem demokratischen Prozess bemühen müssen, um das Eigentums-Problem zu lösen. Denn wir sind in demokratischen Gesellschaften nicht die Diener unserer Gesetze, sondern die Gesetze dienen unseren jeweils aktuellen gesellschaftlichen Werten. Wie war das doch gleich nochmal mit dem nicht vorhandenen Wahlrecht von Frauen oder der Sklaverei? Einst legitim, wurden diese Positionen später zu einem gesetzlich verankerten Ding der Unmöglichkeit. Wer würde bei uns heute Frauen das Wahlrecht wieder aberkennen oder die Sklaverei erneut einführen? Sprengers Eigentums-Argument ist also einer mangelnden Historizität geschuldet und zementiert den Status Quo als Ende der Geschichte.

2. Effizienz

Natürlich musste dieser Einwand einmal mehr auf den Tisch, offensichtlich wurde er noch nicht oft genug durchgekaut. Diesmal um den „nobelpreisgeehrten Hinweis“ bereichert, das Unternehmen nur gegründet werden würden, weil dies die Transaktionskosten senke. Ich gestehe gleich vorweg, das noch nicht ausreichend durchdacht zu haben. Allerdings beschleicht mich der Eindruck, dass hier etwas faul ist, im Staate des Top-Down. Denn so manch ein demokratisch geführtes Unternehmen konnte schon ganze Abteilungen einsparen, weil die dort geleistete Arbeit schlicht überflüssig war. Fällt das nicht unter die Senkung von Transaktionskosten im Rahmen innerbetrieblicher Hierarchie?

Unabhängig davon kann ich eines indes klipp und klar sagen: Die Feststellung, dass schon jetzt „viele Unternehmen“ (kursiv: AZ) an mangelnder kommunikativer Effizienz leiden würden, weil alle andauernd mitreden dürfen, ist nicht gerade das beste Argument gegen Unternehmensdemokratie. Denn damit zeigt Sprenger, dass Effizienz nichts mit top-down oder demokratischer Führung per se zu tun hat. Schließlich bedeutet das „überall mitreden“ keineswegs Unternehmensdemokratie. Die entsteht erst dann, wenn die MitarbeiterInnen mitENTSCHEIDEN dürfen. Die Effizienz leidet also auch schon im top-down Gefüge. Das ist auch nicht erstaunlich, denn unternehmensinterne Kommunikation und Entscheidungsprozesse sind in ihrer Effizienz eine handwerkliche Frage des Kommunikations- und EntscheidungsDesigns (wie ich ausführlich am Fallbeispiel einer gescheiterten Unternehmensdemokratie ausgeführt habe. Alle Macht für niemand, S. 187-196) – unabhängig von der (nicht-)demokratischen Verfassung eines Unternehmens.

3. Langsamkeit

TachoDieses ebenfalls andauernd beklagte Problem demokratischer Unternehmensführung ist gewissermaßen die Schwester der mangelnden Effizienz. Das demokratische Unternehmen sei noch langsamer als das herkömmlich geführte. Sprenger scheint ein ziemlich eingeschränktes Verständnis von Unternehmensdemokratie zu haben. „Interne Abstimmungen binden viel Energie, bringen uns aber beim Kunden keinen Meter weiter.“ Da wird einmal mehr das abgegriffene Abziehbild ewig währender Teamsitzungen bemüht („man teamsitzt sich zu Tode“), am besten mit Assoziationen zu alten WG Zeiten, in denen viele von uns erfolglos über die Küchenhygiene bis tief in die Nacht schwadroniert haben. Dumm nur, dass diese fraglos langsamen und ineffizienten Diskussionen, die ich selbst auch miterlebt habe, ebenso einem ungenügenden EntscheidungsDesign geschuldet waren. Sie haben nur wenig mit der Idee der Demokratie an sich zu tun. Außerdem findet Unternehmensdemokratie nicht nur im Zentrum der Organisation statt, sondern gerade auch an den Grenzen zum Markt. Wie ist das mit den Verantwortungsbereichen von Mitarbeitern an den Nahtstellen zum Kunden? Wer von uns sehnt sich nicht den ermächtigten Mitarbeiter in der Supportline herbei, der sofort – hier und jetzt – ohne lange Rücksprachen (da muss ich mal mit meinem Vorgesetzten reden), seine Entscheidungen trifft, um mir zu helfen?

Und selbst intern ist die höhere Geschwindigkeit des top-down ein Ammenmärchen. Es ist tägliches Entscheidungsbrot, dass selbst die Entscheidungen, die sich nicht vermeiden lassen, doch noch vom Chef-Chef abgesegnet werden müssen. Dann ist der eine jetzt im Urlaub und der andere danach krank. Und schon wartet der von Rückenleiden gequälte Mitarbeiter drei, vier Wochen länger auf seinen neuen Bürostuhl als nötig wäre. Denn eigentlich hat die Entscheidung der Betriebsarzt schon längst getroffen. Es fehlt nur noch die Unterschrift vom Boss. Ja, das ist Effizienz, wie wir sie alle kennen und lieben (ist übrigens kein erfundenes Beispiel). Da haben wir sie wieder, die Transaktionskostenhypothese. Allerdings spricht sie nicht unbedingt für den Sinn formal-fixierter Hierarchien.

Der heilige Markt

MortgageWir dürfen uns laut Sprenger nur „ausschließlich und radikal am Markt“ orientieren. Denn dem könnten wir ja mehr vertrauen, als den „poetologischen Fundamentalisten“. Dass der heilige Markt immer wieder katastrophal versagt, weil sein angeblich freier Wettbewerb ebensowenig einer ist, wie seine Selbstregulation, thematisiert Sprenger nicht. Ich erlaube mir freundlich, auf das Versagen des Marktes in der Finanzkrise 2007/2008 hinzuweisen. Solange wir beispielsweise Banken haben, die „to big to fail“ sind, Gewinne individualisieren und Verluste sozialisieren, solange werde ich über die Aufforderung, uns dem Markt zu unterwerfen, nur lachen und dies für mich nicht akzeptieren. „Der“ Markt (cui bono?) ist in seiner aktuellen Beschaffenheit keine Notwendigkeit wie unser menschlicher Bedarf nach Sauerstoff.

Ganz zum Schluss wagt sich Sprenger dann doch noch aus der Deckung und erinnert an ein Fallbeispiel, das sein Marktcredo untermauern soll: Foto Porst. Dort hat Hannsheinz Porst die „totale Mitbestimmung“ umgesetzt und das Unternehmen – so die kausale Anmutung – damit in die Insolvenz getrieben. Was natürlich angesichts der Tatsache, dass es noch nie eine Insolvenz bei top-down geführten Unternehmen gegeben hat, ein unwiderlegbares Killerargument ist! Leider bleibt es bei der bloßen, nicht einmal zwei Zeilen umfassenden Bemerkung. Das wars. Keine Informationen, was dort wie genau in welchem Kontext an Unternehmensdemokratie umgesetzt wurde. Wirklich schade, das hätte bestimmt nicht nur mich sehr interessiert! Weitere Fälle zum Beleg der Autorenmeinung bleiben aus, schließlich ist der gerade zuvor erwähnte Fall ja schon der Todesstoß für das Konzept der Unternehmensdemokratie.

Und jetzt, letztendlich, zurück zum Anfang. Gemäß Sprenger spielen ja die Produktionsbedingungen keine Rolle  (wie er das  mit seiner Idee des „anständigen Unternehmens“ zusammenbringt, ist mir übrigens nicht klar.) Denn wichtig ist gemäß seiner Aussage nur, das den Kunden gedient und dabei am Ende Gewinn erwirtschaftet wird. Ökonomie ist allerdings, wie schon angedeutet, eine von Menschen erzeugte Wirklichkeit, im Gegensatz zu nicht artifiziellen Phänomenen wie Gravitation oder Lichtgeschwindigkeit, denen wir bloß Namen gegeben haben und die auch ohne uns stattfinden. Wie wäre es also statt dessen mit einer etwas komplizierteren, weniger griffigen Formulierung, die eine ganz andere Wirtschaftswelt erzeugt: „Das einzige, was zählt, ist die profitorientierte Schaffung von Kundennutzen“ unter Wahrung des Gemeinwohls aller direkt und indirekt betroffenen Menschen. Bye bye Bangladesh.

Herzliche Grüße

Andreas

 

Quelle

Sprenger, R. (2016?*): Demokratie in Firmen geht nicht. http://enorm-magazin.de/demokratie-firmen-geht-nicht (*Bedauerlicher Weise hat das enorm-Magazin im Internet kein Veröffentlichungsdatum vermerkt).

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: Schlaraffenland von Pieter Bruegel dem Älteren, gemeinfrei
  • Milton Friedman: The Friedman Foundation for Educational Choice – RobertHannah89, CC0
  • Industrial Democracy: Buchcover
  • Paragraphen: Andreas Zeuch
  • Tacho: Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0, eigner Ausschnitt (Andreas Zeuch)
  • Morgage: Wikipedia Nutzer Meisterkoch, CC BY 3.0
14 Kommentare
  1. Frank H. Baumann-Habersack
    Frank H. Baumann-Habersack says:

    Vielen Dank Andreas, für diese sehr gute Replik auf die Kritik von Herrn Sprenger. Da möchte (und kann) ich nichts mehr hinzufügen.

    Gleichwohl erlaube ich mir noch eine andere Perspektive zur Kritik.

    Beim EnjoyWorkCamp 2015 in Stuttgart unterhielt ich mich mit einem Beraterkollegen über eine (steile) These:
    Könnte es sein, dass es BeraterInnen gibt, die mit überholtem Denken und alten Beratungsprodukten Unternehmen daran hindern, sich weiter zu entwickeln?
    Ja, die scheint es zu geben. Und wenn ich Herrn Sprengers Kritik lese, muss ich an diese These denken.

    Jeder Mensch, Sie, ich und auch Herr Sprenger, kreist im hermeneutischen Zirkel vor sich hin. Als promovierter Philosoph wird Herr Sprenger das wissen. Nun stellen sich mir spontan erste Fragen zur Sprengerschen Kritik:
    a. Ist Herr Sprenger in seinem Erkenntnisprozess schon so weit (und teilt uns das durch die Kritik mit), dass das Neue oder auch nicht Neue eigentlich schon alt ist bzw. immer noch?
    b. Wenn dem so wäre, (wieso) möchte Herr Sprenger sich im Sinne des Zirkels nicht annähern?
    c. Oder verstehe ich diesen Annäherungsprozess der Erkenntnisse einfach nicht?
    d. Oder: Ist es schlicht (s)eine Vermarktungsstrategie (Verdrängung/ Abwertung)?
    e. …?

    Mir wäre eher daran gelegen, wenn sich die Management-Päpste, Evangelisten, Exorzisten, Speaker, Gurus oder auch Vordenker mit samt den Nachdenkern und ihren (teilweise wirklich sehr guten) Gedanken, Konzepten und Methodiken wechselseitig befruchten würden, statt sich abzuwerten, sich aus »dem Markt« zu beißen und die eigenen Erkenntnisse als DIE richtigen bzw. einzig wahren zu stilisieren. Ein Kennzeichen übrigens für eine alte, autoritäre Autoritätsdenke.

    Die Befruchtung setzt jedoch voraus, dass es eine übergreifende Kooperationskultur gibt oder diese sich entwickelt.
    Einigen wird die Kooperation sicherlich gelingen. Denn das wird mindestens in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in unserer Gesellschaft (und damit auch in der Wirtschaft) gefordert sein. Denen es nicht gelingt, wird es wie Unternehmen gehen, die die Transformation in die Wissensökonomie nicht schaffen: sie werden in der Versenkung verschwinden.

    Daher: Lasst uns kooperieren, (neue) Ideen, kritisch und auf Vernetzbarkeit prüfen. Und bitte mindestens mit Respekt. Vielleicht geht irgendwann ja sogar Wertschätzung.
    Denn durch die Integration alter und neuer Ideen profitieren die Kundinnen und Kunden von Beratung.

    Und – um die geht es doch … oder habe ich irgendetwas nicht verstanden?

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    • Niels Pflaeging
      Niels Pflaeging says:

      Lieber Herr Baumann-Habersack, Sie sprechen mir mit ihrem Kommentar aus der Seele.
      Ich freue mich, ihre nachdenklichen, vereinenden Zeilen zu lesen.

      Aus meiner Sicht sind „wir Akteure in diesem Feld der Unternehmensführung“ tatsächlich viel zu schnell mit Schnappreflexen gegenüber Kollegen dabei, anstatt die oftmals recht feinen Unterschiede auch mal mit einem Schmunzeln anzuerkennen und gemeinsam für eine grosse gemeinsame, progressive Linie streiten zu lernen. Dabei wird unsere Energie heute oftmals in die ganz falsche Rchtung geleitet…
      Ich habe Sprengers Text nicht als Anriff auf Konzepte oder Kollegen verstanden, sondern eher als einen Auftruf zur Besonnenheit und zur philosopischen und betriebswirtschaftlichen Reflexion aktueller Trendthemen n der Unternehmensführung.

      Antworten
      • Frank H. Baumann-Habersack
        Frank H. Baumann-Habersack says:

        Lieber Herr Pflaeging,

        schönen Dank für Ihre Resonanz.
        Einige Aussagen von Herrn Sprenger sind ja durchaus valide und relevant. Da er jedoch auf das Buch von Andreas Zeuch referenziert, der sich sehr differenziert mit dem Begriff der Unternehmensdemokratie auseinander setzt, stimmen andere Aussagen schlicht inhaltlich nicht (Andreas Zeuch hat das in seiner Replik ja ausführlich seziert).
        Und wenn jemand wie Herr Sprenger, der sich wirklich verdient gemacht hat um ein neues Führungsverständnis, und als Referenz in diesem Bereich gilt, von „Unverantwortlichkeit“ spricht, schreibt/ handelt er dadurch schlicht unverantwortlich. Pointierung hin oder her. Und „enorm“ ist ja nicht ein Boulevardblatt.

        Als dann im weiteren Verlauf der Diskussion bei dem einen oder anderen Kollegen (tatsächlich hat sich bislang ja noch keine Kollegin geäußert … – leider!) der Erregungsgrad stieg, ist das für mich ein Zeichen für die hohe Identifikation der Kollegen mit ihren Themen. Das gilt vermutlich auch für Herrn Sprenger. Die Identifikation gilt es zu würdigen und zu schätzen.
        Gleichwohl ist es für die Diskussionskultur hilfreich, sich wohlwollend auf eine zunehmende Emotionalisierung und Personifizierung aufmerksam zu machen. Gerne dabei mit einem sich selbst erkennenden Schmunzeln …

        Wenn ich jetzt schon solche Reden schwinge, fange ich gleich einmal an: Ich schätze Ihre Bücher und Beiträge. Sie ergänzen meine Gedanken und führen zu Klarheit. Danke.

        Beste Grüße

        Frank H. Baumann-Habersack

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      • Andreas Zeuch
        Andreas Zeuch says:

        Hi Niels,

        danke für Deine Zeilen, die unserer gemeinsamen Sache einer Unternehmenswelt dienen, die nicht mehr mit Möhren lockt, die heilige Rangordnung predigt und an das ewige Wachstum glaubt.

        Mit Sprenger ging es mir offensichtlich anders, wohl auch, weil ich natürlich im Gegensatz zu Dir dem Begriff der Unternehmensdemokratie nahe stehe. Sprenger hat ganz bewusst – und das halte ich nun wirklich für keine Unterstellung – aggressiv diffamierende Begriffen gewählt: „poetologische Fundamentalisten“ (wer eigentlich), „verantwortungsloses Handeln“ etc.

        Der Witz dabei ist ja der, dass weder Sattelberger et al. noch ich das Mantel-Konzept der UD unkritisch inthronisieren. Ich habe, wie Du weißt, sogar einen gescheiterten Fall präsentiert. Und rede über den in allen meinen momentan zahlreichen Vorträgen. Gegen wen also richtet sich eigentlich Sprenger mit seiner fundamentalistischen Kritik? Ich persönlich habe bis heute keinen Unternehmensdemokratie-Fundamentalisten kennengelernt. Du?

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    • Conny Dethloff
      Conny Dethloff says:

      Ich wage in diesem Zusammenhang mal eine immer wieder von mir getätigte steile Hypothese.

      „Wir verfolgen bei Meinungsverschiedenheiten das Handlungsmuster, uns immer weiter voneinander zu entfernen, statt anzunähern.“

      Warum ist das so? Unsere Sprache ist auf Logik aufgebaut. Wir versuchen über Ursache-Wirkungsbeziehungen unsere Meinungen zu erhärten. Nur ist unsere Logik zweiwertig, also 0 oder 1. Oder anders gedrückt. Wir denken und argumentieren in „Entweder-Oder“, nicht in „Sowohl-Als-Auch“, was förderlich für eine Versöhnung unterschiedlicher Meinungen wäre.

      Klar, oder? Wenn meine Meinung unterschiedlich zu Deiner ist und ich meine positiv erhärten möchte, muss ich Deine gleichzeitig negieren. Zweiwertigkeit eben.

      Gotthard Günther, ein leider vergessener Deutsch-Amerikanischer Logiker hat das mal treffend ausgedrückt: „Wenn ein Problem wieder und wieder auftaucht und keine Lösung gefunden werden kann, dann sollte man nicht danach fragen, was die Vertreter beider Standpunkte voneinander unterscheidet, sondern was sie gemeinsam haben. Das ist der Punkt, wo die Quelle des Missverständnisses liegen kann.“

      Diese Erkenntnis war übrigens seine Inspiration, die Zweiwertige Logik zu erweitern in die Polykontexturallogik, so dass diese auch auf Lebendigkeit angewendet werden kann.

      Beste Grüße,
      Conny

      Antworten
  2. Andreas Zeuch
    Andreas Zeuch says:

    Lieber Frank,

    danke für Deinen Engagierten Kommentar (wenn ich mich recht erinnere, waren wir seit unserem persönlichen Kennenlernen auf dem EWCS15 per Du).

    Der von Dir erwähnten These stimme ich vollumfänglich zu, klingt fast so, als ob wir uns darüber unterhalten hätten 🙂 Ich glaube, die von Dir genannten Selbstbeschreibungen einiger BeraterInnen wie „Papst“, „Evangelisten“, „Guru“ etc. sind natürlich der Aufgabe der Selbstvermarktung geschuldet. Höchst interessant ist dem Zusammenhang die religiöse Komponente! Da stellen sich nun seit einiger Zeit so manche Berater selbst auf ein irgendwie geartetes religiöses Podest – ich persönlich liebe am meisten all die selbsternannten „Evangelisten“! Witzig übrigens, dass ich noch keine Frau kennengelernt habe, die sich als Päpstin oder Evangelistin bezeichnet. Scheint ein typisch männliches Phänomen von Selbstdarstellung zu sein. Quasi ein pseudoreligiöser Vergleich des männlichen Reproduktionsanhängsels.

    Diesen Positionen ist es nun gemeinsam, dass sie andere von ihren Spitzenpositionen ausschließen. Es gibt nur einen Pabst, 4 Evangelisten und vielleicht ein paar mehr Gurus. Der Sinn dieser Selbsterhöhungen liegt gerade in der Abgrenzung und Unterscheidung zum Fußvolk, die diese Spitzenposition nicht erreicht haben.

    Insofern gehe ich davon aus, dass GEMEINSAMES Weiterdenken und -entwickeln gar nicht im Sinne dieser Herren liegt. Und damit führen sie sich, sofern sie irgend etwas zum Themenkomplex „Neue Arbeit“ sagen, selbst ad absurdum. Denn New Work etc. lebt auch vom Paradigmenwechsel des Verdrängungswettbewerbs hin zur Kollaboration/Kooperation. Ein Wechsel hin zum gemeinsamen Handeln, wo früher der Ellenbogen einsetzende Aufsteiger einer vorgestanzten Kaminkarierre gefragt war.

    Aber glücklicherweise gibt es zwar seit einiger Zeit eine Inflation bei den Evangelisten, aber die meisten unserer KollegInnen haben diesen Blödsinn wohl nicht nötig. Ich persönlich konzentriere mich auf diese Menschen.

    Liegt vielleicht auch daran, dass ich schon vor geraumer Zeit die Kirche verraten habe, indem ich ausgetreten bin. Oder daran, dass ich Kant und die Aufklärung ernst nehme und mich an die Aufforderung zum selbstständigen Denken halte. Da passen die Vertreter und Sprecher Gottes nicht so ganz dazu.

    Herzliche Grüße
    Andreas

    Antworten
  3. Hans-Jürgen Walter
    Hans-Jürgen Walter says:

    Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel, lieber Andreas. Seit langem beschäftigt mich dieses Thema und mit viel Freude habe ich auch Dein Buch gelesen. Nach der Lektüre dieses Artikels hier meine ganz persönliche Stellungnahme: Ich gehe einmal davon aus, dass ein Reinhard Sprenger mehr Bücher und mehr Vorträge „verkauft“, als ein Andreas Zeuch. (… sollte ich mich täuschen, bitte korrigiere mich.) Warum ist das wohl so? Vielleicht da die kantigen Aussagen von Herrn Sprenger genau jene belief-Systeme bedienen, die immer noch in den Chefetagen vorherrschen. Na und wer will denn schon wirklich etwas lesen, was seine eigenen Überzeugungen in Frage stellen würde? Insoweit scheint mir Herr Sprenger zumindest recht kongruent zu sein, was die „profitorientierte Maximierung des Kundennutzen“ angeht.
    Ja ich will zugeben: Ich komme nicht umhin immer wieder von der eleganten Rhetorik eines Reinhard Sprengers eingenommen zu werden – nur schade, dass er sie zum Nach- und nicht zum Vordenker nutzt.
    Letzteres, mein Freund schätze ich seit Jahren sehr an Dir und Deiner Arbeit. Manchmal in Deiner Sprache nicht ganz Anschluss-fähig zu meinen inhabergeführten pragmatischen mittelständischen Unternehmern, aber das übersetze ich denen das schon;-) Bitte mach weiter mit Deiner kritisch-konstruktiven und wertvollen Arbeit zu diesem Thema.

    Dein Hans-Jürgen

    Antworten
    • Andreas Zeuch
      Andreas Zeuch says:

      Lieber Hans-Jürgen,

      na das ist ja eine Überraschung! Danke für Deine positive Rückmeldung. Nun, ob Sprenger (immer noch) mehr verkauft weiß ich nicht, woher auch. Aber sein neues Buch und sein „Konzept“ des „Anständigen Unternehmens“ scheint – in seinen Worten – nicht so ganz aufmerksamkeitslenkend zu sein, wie das Konzept der Unternehmensdemokratie. Jedenfalls krieg ich nicht allzuviele Reaktionen mit, was sein Buch angeht. Aber so oder so, das ist egal. Deine Einschätzung mit den Glaubenssystemen teile ich uneingeschränkt.

      Was mich mehr interessiert: Woher weißt Du, dass meine Sprache nicht ganz anschlussfähig zum pragmatischen, inhabergeführten Mittelstand ist? Faszinierenderweise habe ich noch mit keinem Buch in so kurzer Zeit soviel konkrete Resonanz, sprich Aufträge erwirkt, wie jetzt. Ich kann grad nicht klagen und gehe davon aus, dass das der Anfang ist.

      Deine Wertschätzung bezüglich meiner kritisch konstruktiven Arbeit nehme ich gerne an und werde sicherlich weitermachen. Ist schließlich eine Herzensangelegenheit und nicht einfach ein beliebiges Thema, um mich zu verkaufen.

      Herzliche Grüße
      Andreas

      Antworten
  4. Frank H. Baumann-Habersack
    Frank H. Baumann-Habersack says:

    Lieber Andreas,

    guter Hinweis mit dem »religiösen Podest«. Erst durch Deinen Querbezug ist mir das nochmals richtig bewusst geworden. Und mir fiel ein, ich hatte doch mal etwas dazu geschrieben … Hier ein kleiner Auszug aus meinem Buch:

    Autorität und Herrschaft

    Wie schon erläutert, existiert Autorität nicht von sich aus. Sie braucht immer eine Legiti­ mation. In der Vergangenheit bezog sie diese vor allem aus der beherrschenden Stellung von Menschen, der Macht eines Amtes sowie Gesetzen und der freiwilligen Unterordnung unter diese. Nach Max Weber werden drei Typen legitimer Herrschaft unterschieden (vgl. Sennett 2008, S. 26 ff.):

    1. Traditionale Autorität: Sie legitimiert sich „auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen“. Dazu zählen Erbaristokratien oder auch das Priester­ amt. Aber auch religiöse Speiseverbote oder Vorstellungen über spirituelle Reinheit oder Reinigung. Die Haltung der sich unterordnenden Menschen ist hier vor allem durch Ehrfurcht und Benehmen bestimmt.
    (S. 44)

    […] und weiter

    Autorität und Erlösung

    Auch im 21. Jahrhundert sehnen sich die Menschen fast in jedem Feld nach starken Per­sönlichkeiten oder Rettern, in der Politik, der Medizin und den Wissenschaften genauso wie im Sport oder der Unterhaltung. Das spiegelt sich vor allem in den Medien wider.
    Themen werden nicht mehr als Themen diskutiert, sondern immer im Zusammenhang mit Personen aufbereitet. So wird aus jedem Sachthema ein Beziehungsdrama. Für die Auflagen ist das gut.
    Es führt aber auch dazu, dass Persönlichkeiten mit einer großen charakterlichen oder fachspezifischen Autorität sehr leicht als Heilsbringer dargestellt werden. So gilt Steve Jobs etwa als Erlöser auf dem vertrockneten Feld der Innovation. Edward Snowden als Retter im Dschungel geheimer Daten. Sascha Lobo als Superheld des Internets. Die Liste ließe sich endlos verlängern. Die Erlösungen, die sich die Menschen mit diesen in Heils­ bringer verwandelten Autoritäten versprechen, treten jedoch niemals ein. Richard Sennett bringt das wie folgt auf den Punkt, wenn er schreibt (Sennett 2008, S. 25):

    „Allgemein kann man sagen, daß wir in der Autorität einen Trost suchen, den die Zeit niemals wirklich gewährt. Immer wieder mündet die Suche in Enttäuschung; und deshalb läßt sich das, was Autorität ausmacht, so schwer fassen und definieren.“

    Die permanente Enttäuschung begrüßt Sennett sogar. Sie gibt den Menschen die Freiheit gegenüber den „Meistern der Verblendung“ zurück, indem sie jegliche Autorität immer wieder hinterfragen (müssen).
    (S. 45/46)

    Tja.

    Beste Grüße

    Frank

    Antworten
    • Daniela Röcker
      Daniela Röcker says:

      Lieber Frank,

      ich bin Dir sehr dankbar über den Link zu Sennett, dessen Ideen und Erkenntnisse ich für absolut verfolgenswert halte, gerade in Bezug auf Kooperation und Zusammenarbeit. Hinweis am Rande: Doch, es hat sich schon eine Kollegin geäußert, nämlich ich, allerdings im Portal mit dem dicken Daumen. 😉 Tatsächlich habe ich mich aber erst eingeschaltet, nachdem die „Downloading-Phase“ (siehe C. Otto Scharmer), Du nennst es Erregungszustand, sich ihrem Ende neigte. Ich würde allerdings diesen von Dir angesprochenen Zustand nicht zwingend interpretieren mit „Identifikation“. Oftmals erscheint mir dieser Erregungszustand häufig in Diskussionen eher ein Anspruch auf Deutungshoheit, ergo Macht, zu sein.

      Identifikation setzt nach meinem Verständnis einen hohen Grad an Reflexion voraus, den ich in vielen Diskussionen vermisse und was m.E. auch ein Grund dafür ist, dass es bei der Diskussion bleibt und nicht zum Dialog kommt. Aber wie gesagt, vielleicht gelingt uns ein solcher Dialog ja hier und natürlich auch weiterhin im persönlichen Austausch, um dann ins Handeln zu kommen. Gerade vorhin beklagte eine Dame bei einer Veranstaltung erst wieder, dass es über die durchaus guten Veranstaltungen hinaus nicht zu einer Umsetzung der dort ersonnenen Ideen käme. Das sollten wir ändern, da wird noch zuviel Potential nicht genutzt.

      Thema Religion: Andreas hatte oben erwähnt, dass er noch keine Frau getroffen habe, die sich Guru, Evangelist o.ä. unkreative Titel gegeben habe. Ich kann da natürlich nur für mich sprechen: Ich habe keine Anschlussmöglichkeit in monotheistischen (und damit auch linearen) Religionen. Als Frau bleibt mir z.B. beim Christentum nur die Identifikation mit Eva, der Ursünde oder mit Maria, die auf das Kümmern und Sorgen reduziert wird oder mit Maria Magdalena, der Unangepassten, aber gnädig Geduldeten. Würde sich ein Mann in einer dieser Rollen wiederfinden? Ich denke, nein. Für Frauen ist in diesen Religionen keine qualitative Führungsposition vorgesehen. Gleiches gilt für die kirchlichen Institutionen: ein männlicher Papst bei den Katholiken, ein erleuchteter Handwerker und seine männlichen Fans bei den Protestanten – allem übergeordnet eine männlich konnotierte Entität, die alles lenkt. Äh, nein, nicht meine Welt – ich bin es gewohnt, in Zyklen und Phasen zu denken und zu handeln.

      Ganz herzliche Grüße und bis neulich 🙂
      Daniela

      Antworten
  5. Ardalan Ibrahim
    Ardalan Ibrahim says:

    Warum argumentative Widerlegung nix bringt, noch nie was gebracht hat und nie was bringen wird, veranschaulicht dieser schöne Klassiker:

    https://www.buch7.de/store/product_details/1026025381

    Rein zufällig ist auch dieser Autor ursprünglich mal Philosoph gewesen.

    Rein zufällig ist sein Fallbeispiel die Religionskritik der Aufklärung.

    Macht zudem Spaß beim Lesen (also mir zumindest, bin aber auch übel verbildet).

    Abstract: There’s an alternative to preaching that works much better.

    Antworten
  6. Katarzyna Schubert-Panecka
    Katarzyna Schubert-Panecka says:

    Liebe KollegInnen,

    offensichtlich wird in dem Austausch ein femininer Genderaspekt erwünscht & ich danke Dir liebe Daniela für den ersten Beitrag aus einer solchen Perspektive. Danke Euch auch für all die relevanten Punkte, die in der Diskussion benannt wurden. Ich werde noch naspüren, ob das Frausein – als nur ein Aspekt pluraler Identitäten – in diesem Austausch einen relevanten Unterschied einbringen kann … Spontan kommt mir natürlich mein Thema hoch, ergo Verständigung. Am besten jenseits von richtig und falsch (wie trivial es auch klingen kann) und entlang der Idee eines gemeinsamen Ziels hinter den Wirklichkeitskonstruktionen.

    Interessant wie herausfordernd fände ich allerdings jetzt schon, sowohl dem hier genannten Wunsch nach einer respektvollen Kooperation, als auch nach einer konkreten UMSETZUNG all der Konstrukte, die hier benannt wurden nachzugehen. Mit Deiner Reaktion auf den Artikel Andreas und dann den Reaktionen auf Deine Zeilen wurde dies bereits eingeleitet. Ich frage mich daher, was ein weiterer Schritt sein könnte?

    Zwar erscheint es, das Bewusst-Sein/Werden über die Potenziale von eventuellen Kooperations- oder Umsetzungsmöglichkeiten zu vertiefen i.S. der von Conny erwähnten logischen Ebenen nicht immer einfach zu sein. Ohne Selbstreflexion und mit einem hohen Verlangen nach kognitiver Geschlossenheit der AkteurInnen eventuell noch schwieriger, aber nicht unmöglich oder?

    Wie wäre es daher, uns auf der Grundlage des (vermuteten) gemeinsamen Interesses, mit der eigenen Wirklichkeitskonstruktion, bzw. Vision und Sorge verstanden zu werden und diese in die Welt zu bringen, die o.g. Möglichkeiten mit den KritikerInnen, SkeptikerInnen und BefürworterInnen dieser Entwicklung praktisch auszuloten? Am besten sowohl im Bezug auf ds Ziel der UD / New Work Bewegung, als auch deren Werte/Nutzen und Risiken. Ob in einem Dialog, oder mit Schematas wie z.B. Tetralemma Arbeit o.a. könnte es m.E. eine durchaus eine Entwicklung sein, die im Ideallfall auch die AdressatInnen an ihren Orten zu erreichen verhelfen würde, statt sich hinter den Positionen zu verstecken.

    Herzlich, Katarzyna

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