Beiträge

Humanize. Wie man gute Ideen schlecht begründet.

Vor einiger Zeit stieß ich auf ein Interview mit Jamie Notter. Den Artikel hatte ich schon eine Weile in meinem Literaturverwaltungsprogramm, hatte ihn aber noch nicht wirklich durchgearbeitet. Jetzt schon. Und kann mir ein paar kritische Anmerkungen definitiv nicht verkneifen. Denn was Notter erreichen will, unterschreibe ich vielleicht nicht voll und ganz, aber doch größtenteils. Sein Buchtitel „Humanize“ gefällt mir gut. Vor allem die damit verbundenen Ideen und Vorschläge für einen Wandel von Führung und Kultur in Unternehmen. Die Begründungen sind jedoch überraschend widersprüchlich, undurchdacht und vor allem: gefährlich. Notters Argumente öffnen den Raum für den üblichen Jojo-Effekt, den wir ohnehin schon seit Jahrzehnten in Unternehmen und Organisationen beobachten können. Heute Zentralisierung, morgen Dezentralisierung, übermorgen wieder zurück. Oder besser noch: Beides gleichzeitig, Zentrale und dezentrale Steuerung. Das alles führt dann dazu, dass Change krank macht, weil die vom Wandel Betroffenen selbigen nur noch als schlechten Witz auffassen und sich selbst als Spielball erleben. Weiterlesen

Wahrscheinlich sind Sie ein Unternehmensdemokrat

Mit diesem Post stelle ich die Behauptung auf, dass das Phänomen der Unternehmensdemokratie viel weiter verbreitet ist als gemeinhin angenommen. Denn die Komplexität zwingt manchmal selbst den hartgesottensten Top-Down-Gorilla dazu, sich den Mitteln der Unternehmensdemokratie zu bedienen.

Weiterlesen

Unternehmensdemokratie braucht Marktnähe beim Entscheiden

Heute nun endlich mein zweiter Post auf dieser Plattform, der thematisch und inhaltlich an den ersten Können Maschinen entscheiden? anschließt. Geht man mit dem Fakt einher, das Maschinen nicht entscheiden können, sondern lediglich aus bereits vorgefertigten Entscheidungsoptionen eine auswählen können, hat das große Implikationen auf Entscheidungsprozesse und damit einhergehenden Organisationsstrukturen in Unternehmen.

Weiterlesen

Rüdiger Jungbluth, Florian Felix Weyh, Jens Dirksen und Andreas Zeuch (v. l. n. r., gezeichnet von Franziska Köppe / madiko)

Doku_ Autokratie oder Mitbestimmung? Lesart 10_2015

Um „Die Macht der Manager – Mitbestimmung oder Autokratie in Unternehmen?“ ging es am Dienstag, 27. Oktober 2015, im Café Central des Grillo-Theaters in Essen. In der von Deutschlandradio Kultur aufgezeichneten Sachbuch-Sendung „Lesart“ waren zu Gast die Autoren Rüdiger Jungbluth („Die Quandts: Deutschlands erfolgreichste Unternehmerfamilie“ (/Campus, 2015) und Dr. Andreas Zeuch („Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten” (/Murmann Publisher, 2015). Moderiert von Florian-Felix Weyh, Deutschlandradio Kultur, debattierten sie gemeinsam mit WAZ-Kulturchef Jens Dirksen darüber, ob die Zeit der allmächtigen Wirtschaftsbosse vorbei ist und wie viel Demokratie die Leitung eines Unternehmens verträgt. Weiterlesen

Das Ende der Konzernokratie. Lernen wir von VW?

Es ist einer der größten Unternehmensskandale der letzten Jahre. Einer, der das zerstörerische Potential mit sich bringt, nicht nur eine ganze Branche in Verruf zu bringen, sondern das informelle Qualitätssiegel eines der wirtschaftsstärksten Länder in den Dreck zu ziehen. „Made in Germany“, „ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts als Schutz vor billiger Importware in Großbritannien eingeführt“ (Wikipedia), ist nun nicht mehr automatisch der Garant für hohe Qualität, für Ingenieurskunst auf höchstem Niveau, sondern wirft tatsächlich einen Schatten auf deutsche Produkte. Der Grund für diese Zerstörungskraft ist der Logik weltweit operierender Konzerne tief eingeschrieben. Was bei VW und diversen anderen Großunternehmen in den letzten Jahrzehnten geschah, ist nicht im Geringsten überraschend, sondern das Ergebnis ihrer unendlichen Wachstumsstrategie und ihrer zu diesem einzigen Zweck installierten maschinellen Steuerung. Weiterlesen

Der Irrtum des Dualen Systems

Im August 2015 veröffentlichte Conny Dethloff seinen Blogpost „Das duale System der Unternehmensführung„. Er erläutert darin, dass und warum wir parallel Hierarchie und Netzwerke in Unternehmen und Organisationen brauchen. Er beruft sich in dem Post unter anderem auf den amerikanischen Unternehmensberater John Kotter, der in einem Video ebenfalls erläutert, das und warum dieses „duale System“ nötig ist. Sowohl in Kotters als auch Connys Argumentation gibt es allerdings ein paar Punkte, die ich anders sehe. Darauf gehe ich hier vor allem deshalb ein, weil dieser Ruf nach einem dualen System öfter zu lesen ist, meistens in der Variante dass wir heute traditionelle Führung brauchen, morgen eine netzwerkartige Struktur und übermorgen dann wieder, wenn die Zeiten es erfordern, das traditionelle Modell mit formal-fixierten Hierarchien. Diese Pendelbewegung zeigt sich gerne in der Variante Zentralisierung – Dezentralisierung – Zentralisierung. Darauf bin ich auch schon in „Alle Macht für niemand“ eingegangen und werde jetzt diese Thematik weiter vertiefen.

Weiterlesen

Unternehmensdemokratie im Möchtegern-Diskurs

Unternehmensdemokratie ist am Anfang. Nicht etwa in einzelnen Firmen, schließlich gibt es demokratische Vorzeigeunternehmen seit Jahrzehnten. Unternehmen mit mehreren hundert MitarbeiterInnen, die wirtschaftlich nicht nur dahinkrepeln, sozusagen als postsozalistischer Appendix des Big-Data-Turbokapitalismus. Nein, neu erscheint lediglich die Diskussion, die sich gerade um ein demokratisches Steuerungsmodell von Organisationen entwickelt.  Weiterlesen