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Karoshi. Arbeiten bis zum Verrecken.

Karoshi? Im September 2016 veröffentlichte ich in diesem Blog den Post „Arbeitsbedingungen: Krank, gesund und sinnvoll arbeiten„. Dieser Beitrag ging auf einen Artikel aus dem Jahr 2011 zurück, in dem ich gemeinsam mit meinen damaligen Kollegen Gebhard Borck und Markus Stegfellner die drei grundlegenden Formen krank, gesund und sinnvoll Wirtschaften skizzierte. Einmal mehr scheinen wir mit dieser Typologisierung den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Denn die Reinform kranken Wirtschaftens und Arbeitens, sozusagen die postmoderne Perfektion des alten Arbeitsbegriffs als Mühsal, Leid und Qual hat einen Namen: Karoshi. Japanisch für „Tod durch Überarbeitung“. Ein keineswegs neues Phänomen, nur ging es Anfang Oktober diesen Jahres wieder mal durch die Presse. Der Anlass war immer noch weit von einer Lösung entfernt.

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Resilienz. Perversion einer wichtigen Fähigkeit.

Resilienz – ein Begriff, der immer mehr Einzug hält in die Wirtschaftswelt. Mittlerweile finden sich zahlreiche Bücher zum Thema: „Resilienz: Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft. Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out“, „Resilienz: Innere Stärke für Führungskräfte“ oder gar: „Resilienz in rechtsberatenden Berufen“ – letzteres wahrscheinlich, um Anwälte vor ihren teils nervtötenden Mandanten dauerhaft zu schützen. Mein persönlicher Favorit ist aber „Unbezwingbar wie ein Navy-Seal: Resilienz und mentale Stärke für Erfolg auf höchster Ebene“ – wow, das Buch habe ich mir sofort bestellt! Und warum ist diese Inflation von Resilienz fragwürdig bis hin zu sträflich? Darum:

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Die Klassiker der Epidemiologie: Whitehall I + II

Die beiden Studien, die wir heute vorstellen, sind schon recht betagt. Und doch kennen sie immer noch viel zu wenig Leute. Faszinierend, würde Spock das kommentieren. Denn immerhin zeigten beide Studien unter der Leitung von Professor Michael Marmot einen signifikanten Zusammenhang des sozioökonomischen Status und der allgemeinen Sterblichkeitsrate. Konkret wurde mit Whitehall I herausgefunden, dass männliche Angestellte des tiefsten Dienstgrades eine dreimal so hohe Sterblichkeit aufwiesen wie Studienteilnehmer mit dem höchsten Dienstgrad, gemessen im Rahmen einer Langzeitstudie über 10 Jahre. In der darauf folgenden Studie Whitehall II wurde unter anderem weiter herausgearbeitet, dass der Kontrollverlust über einen wichtigen Teil des eigenen Lebens in Folge einer Anstellung auf einer geringen Hierarchiestufe  mit längeren Krankenfehlzeiten verbunden ist. Was sich wiederum mit dem seit 2003 erhobenen Gallup Engangement Index deckt, auf den ich unter anderem in „Alle Macht für niemand“ eingegangen bin.

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