Unsere neue Autorin: Christiane Amini

Christiane kenne ich schon eine ganze Weile. Und zwar seit Herbst 2006. Damals hatten wir zusammen in einem äußerst interessanten Projekt zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und arbeitslosen Fach- und Führungskräften gearbeitet. Dann, einige Jahre später, bat ich sie, eine der ersten öffentlichen Veranstaltungen anlässlich meiner Promotion-Tour für mein letztes Buch zu moderieren. Und sie hatte das seinerzeit gerne und natürlich in gewohnter Qualität übernommen. Seit dem sind wir wieder in Kontakt und arbeiten aktuell gerade an der Vorbereitung einer – wie wir finden – äußerst spannenden Dienstleistung. Übrigens nicht zu zweit, da sind noch fünf weitere Leute an Bord… Zurück zu Christiane: Vor kurzem fragte ich sie, ob sie nicht bei uns Bloggen will. Gesagt getan. Nächste Woche erscheint ihr erster Beitrag und heute stellen wir Euch Christiane in gewohnter Weise kurz vor:

Christiane Amini, Foto ©

Christiane Amini, Foto ©

Andreas: Christiane, Du arbeitest heute als selbstständige Beraterin, Trainerin und Coach mit dem Schwerpunkt auf professionellen Talenten. Wie bist du dahin gekommen? Was hast du mal offiziell gelernt und – das muss hier natürlich einfach hin – sind denn Deine Talente?

Christiane: In Hamburg habe ich Mode und Design gelernt und bin nach dem Studium meinem Mann in den Iran gefolgt. Bis ich die Sprache Farci verstehen und sprechen konnte habe ich erst einmal eine nonverbale Sprache gelernt. Das war faszinierend und aufschlussreicher als das gesprochene Wort. Mich interessierte, warum wir Menschen uns verhalten, wie wir uns verhalten. Ich habe die Kaiserzeit, die islamische Revolution und 1980 den Ausbruch des Krieges erlebt. Zum Glück ist uns als Familie die Flucht nach Deutschland gelungen. Das war wohl die extremste Herausforderung in meinem bewegten Leben und es galt, Situationen zu überdenken, Altes loszulassen, Neues zu entdecken. Das gehört auch zu meinen Talenten: Komplexe Themen reflektieren, das große Bild sehen und dann aktiv handeln. 1983 gelang mir mit meinen Kindern der Neustart in Deutschland und ich folgte meiner Berufung. Interkulturelles – und Krisen Management, Weiterentwicklung und -bildung in Verhaltensgenetik, Persönlichkeitsentwicklung, Stressprophylaxe, Lernfähigkeit. Es folgten Ausbildungen zum Facilitator, für partizipative Prozessbegleitung, zur Großgruppenmoderatorin, für Leadership und Coaching. Dabei studierte ich immer die Menschen und erkannte meine eigene Fähigkeit, verborgene Talente zu entdecken und freizulegen. Mithin das zu wecken, was in jedem Menschen steckt.

Andreas: Was hat Dich denn zu Deiner Spezialisierung auf Talente motiviert?

Christiane: Das sind diese magischen Momente, wenn jemand erkennt, wie er tickt, was er bewirkt, wie er dann sein Leben mit Respekt FÜHRT – und andere, je nach Kontext mit einem ganz anderen, wertschätzenden Bewusstsein.

Andreas: Was waren Deine bislang wichtigsten beruflichen Erlebnisse und was könnten wir daraus für die Verwirklichung Neuer Arbeit und Unternehmensdemokratie lernen?

Christiane: Ganz wichtig: Kollegiales Mentoring um mit- und voneinander zu lernen. 2006 wurde mir die Projekt- und Teamleitung eines partizipativen Formats zum Perspektivwechsel für Menschen in Umbruchphasen übertragen. Das war der Auftakt für viele Unternehmensentwicklungen, die ich danach begleiten durfte: Komplexe Systeme zu einem Sog erzeugenden und sich selbst organisierenden FLOW Team entwickeln, in dem jeder seine Talente kennt und damit den größten Mehrwert stiftet. In denen die Menschen mit sich und anderen in echtem Kontakt sind. Wo Leadership gelebt wird. Weit über 250 Menschen habe ich in den letzten Jahren auf dem Weg zur Führung begleitet und davon haben 80% verantwortungsvolle Führungspositionen übernommen. Weil sie genau wissen, was sie mit ihren Fähigkeiten bewirken und wie sie auf Augenhöhe kommunizieren.

Andreas: Was unterscheidet denn Talent von fachlichen, verbrieften Qualifikationen? Warum brauchen wir Talente in der Arbeit?

Christiane und ich bei einem Auftritt. ©tonystark

Christiane und ich bei einem Auftritt. ©tonystark

Christiane: Fachlich verbriefte Qualifikationen sind ja ok aber ohne Einbezug der Talente  sind es eindimensionale und von “Oben aufgesetzte” Rüstungen, ein Status Quo, der erhalten werden soll, um Status und die damit vermeintlich verbundene Sicherheit aufrecht zu erhalten. Darunter liegt die Angst vor Veränderung. Zukunft und Wandel mitzugestalten scheint unmöglich. Talent ist eine Gabe, die in unserem komplexen Naturell, in unserer DNS verankert ist und befähigt uns, leicht und selbstverständlich eine bestimmte Wirkung in einem bestimmten Kontext zu erzielen. Wenn wir dieses Naturell ausfeilen und disziplinieren, wird daraus eine Kompetenz. Das macht glücklich, gesund und inspiriert und entfacht unser inneres Feuer. Derart intrinsisch motiviert laufen wir zu Hochtouren auf und erbringen den gewünschten Erfolg. Und das zum Wohle aller! Das braucht es. 

Andreas: Erzähl uns zum Abschluss noch ein bisschen über Talentschlüssel, das Format, dass Du entwickelt und schon erfolgreich angewendet hast. Wie ist Talentschlüssel entstanden und was ist Dein Ziel damit?

Christiane: 2012 wurde ich gebeten, eine Studienberatung mit aufzubauen. Es sollte ein Konzept geben aber wenn alles fest ist, findet keine Bewegung statt. Ich stieg aus und öffnete den Raum für den bereits geplanten Workshop. Den Teilnehmern sagte ich zu Beginn, dass es keine Beratung von mir geben werde, was für sie das beste sei, sondern, dass sie es mit dem entsprechenden Setting selbst herausfinden würden. Also keine Laborsituation oder digitale Fragebögen von Potenzialanalysen, die meistens nur blutarme und wenig motivierende Papierziele hervorrufen und die nach wenigen Tagen bedeutungslos sind.

Zwei Tage TalentSchlüssel Workshop in dem das persönliche Bewusstsein für die natürliche Begabung geöffnet wird. Die schlummernden oder auch offensichtlichen Talente anzuerkennen gibt Orientierung und setzt intrinsische Motivation in Gang. Genau das, was Menschen brauchen, selbstverantwortlich die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen um mit Begeisterung ihren Beruf zu wählen oder sogar neue Berufe zu kreieren. Das ist Bewegung, Lernen und Weiterentwicklung und Spaß – im Unternehmen, als Entrepreneur, in der Gesellschaft. Und die wird sich ohnehin radikal ändern müssen, und zwar in nächster Zukunft. Im Hinblick auf Arbeit 4.0, (wer mag, lese dazu das Weißbuch, das in diesem Jahr veröffentlicht wurde) oder Neue Arbeit ist es elementar wichtig, seine Fähigkeiten zu kennen, den Status Quo zu verlassen und mit dem Wandel zu gehen.

TalentSchlüssel hat sich aus meinem erfolgreich erprobten Methodenmix der Führungsentwicklung aus Neurologie, Systemtheorie, Verhaltensgenetik, Persönlichkeitsentwicklung und partizipativer Prozessbegleitung fast von selbst entwickelt. Sabine Raiser, Max Polwin, Thomas Weltner, Silke Roggermann, Christian Erhard, Thilo Kux, Nicole Artowitz, Anna Sophie und noch einige mehr teilen meine Vision und unterstützen mein Herzensprojekt. Andreas Rimkus MdB, ist unser Schirmherr. Die Vision? Alle Schüler aus den Abgangsklassen,Studierende und Menschen in Umbruchphasen erfahren ihre Talente im TalentSchlüssel und sind einfach heiß darauf, sich damit einzubringen, Zukunft mit zu gestalten.

Andreas: Vielen Dank Christiane für das Gespräch. Wir freuen uns auf Deine ersten beiden Blogposts nächste Woche über den Unfug von Assessment Centern und anderes mehr.

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: ©Christiane Amini
  • Christiane solo: ©Anne Domdey
  • Christiane und ich: ©Tony Stark
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.