Beliebteste Arbeitgeber: New Work interessiert Student*innen nicht

Beliebteste Arbeitgeber: Im März 2018 veröffentlichte unsere Kollegin Julia Culen hier im Blog die von ihr initiierte Studie „Generation (A)ngst – mir ihr haben wir nicht gerechnet„. Damals gab es eine riesige Resonanz auf die Ergebnisse und die Einsicht, dass New Work mit all ihren Versprechen bei den aktuellen Student*innen eine untergeordnete Rolle spielt. In ihrer Studie war das Sample mit 350 Teilnehmer*innen noch überschaubar. Das sah in der 2019 veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung Universum ganz anders aus. Die Ergebnisse indes stützen die Aussagen der Generation (A)ngst.

Beliebteste Arbeitgeber: Studiendesign

Leider macht die Universum Communications Sweden AB so gut wie überhaupt nicht transparent, wie genau sie zu den Ergebnissen gekommen ist. Klar ist nur: Für den Universum Student Survey 2019 wurden 46.904 Student*innen von 209 deutschen Hochschulen befragt. „Auf dieser Basis erstellte Universum die Arbeitgeberrankings für verschiedene Studienrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen, IT/Informatik, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Medizin/Gesundheitswissenschaften.“ (Website Universum)

Es ist auf der Website nicht nachvollziehbar, wie die Umfrage durchgeführt wurde (Online oder telefonisch) und ob die Befragten frei antworten konnten oder eine Vorauswahl an Unternehmen präsentiert bekamen, was die Ergebnisse massiv in Frage stellen würde. Dasselbe gilt für die Kriterien, die die Student*innen bei der Bewertung der beliebtesten Arbeitgeber anlegten.

Beliebteste Arbeitgeber 2019: Ergebnisse

Diskutiert mit uns diese Ergebnisse auf der #NKNA20 vom 19.-20.03.2020 in Mannheim!

Die Ergebnisse sind höchst interessant. Einerseits sind sie ziemlich ernüchternd für alle, die sich um eine neue Arbeitswelt bemühen. Alles, was wir Unternehmensdemokraten mit New Work verbinden, Partizipation in operativen, taktischen und strategischen Entscheidungen, Sinnkopplung, sozial-ökologische Nachhaltigkeit und dergleichen mehr, scheint die Befragten nicht die Bohne zu interessieren. Wer sich die beliebtesten Arbeitgeber ansieht, findet in weiten Teilen Unternehmen, die nachweislich alles andere als die erwähnten Kriterien im Sinn haben – euphemistisch formuliert.

Alle DAX Automobil Unternehmen stehen bei diversen Fachrichtungen ganz oben. #Dieselgate und #Kartellgate scheinen  vollkommen egal zu sein, die Vorstände können sich einen feixen. In der IT finden sich erwartungsgemäß die größten drei Unternehmen Google, Microsoft und Apple. Steueroptimierung? Egal. Bei den Naturwissenschaftlern rankt Bayer ganz oben. Der auch aus wirtschaftlicher Sicht Irrsinn der Übernahme von Monsanto scheint keinen der Befragten zu kratzen. Erst recht wohl nicht, wofür Monsanto hinsichtlich einer sozial-ökologischen Nachhaltigkeit steht. Im Folgenden zunächst die Kriterien:

 

Beliebteste Arbeitgeber 2019: Schlussfolgerungen

Universum selbst kommentiert die Ergebnisse vermutlich im Sinne ihrer eigenen Beratungsleistungen: „Wir beobachten, dass sich negative Schlagzeilen kaum darauf auswirken, wie angesehen ein Unternehmen als Arbeitgeber ist“, erklärt Tina Smetana, Country-Managerin Deutschland von Universum. „Wichtig ist, dass ein Unternehmen glaubhaft vermittelt, dass es Studierenden bietet, was sie suchen – zum Beispiel im Bereich Wirtschaftswissenschaften ein attraktives Grundgehalt, ein hohes Einkommen in der Zukunft oder Führungskräfte, die ihre Entwicklung fördern. Dann ist die Arbeitgebermarke so robust, dass sie auch Gegenwind standhält“, so Smetana weiter.“ (Website Universum)

Das kann mensch so interpretieren: Im ersten Schritt werden nachgewiesene Vergehen bis Straftaten auf Kosten des Gemeinwohls zur Schlagzeile heruntergespielt. Dann geht es im zweiten Schritt bei Arbeitgebern, die eine eklatante Lücke zwischen ihrer wohlfeilen Außendarstellung und dem tatsächliche Verhalten aufweisen, um deren Glaubwürdigkeit. Die könnte tatsächlich noch greifen, denn was die Unternehmen als Arbeitgeber laut der Befragten gefälligst leisten sollen, ist genau das, was sie in bester Old Work Manier drauf haben: Große, dicke, leckere Möhren zur Motivation: Ein attraktives Grundgehalt und ein hohes zukünftiges Einkommen. Im letzten und dritten Schritt wird dann die selbstverantwortete Misere zum Gegenwind – gerade so, als ob halt das Wetter gerade ungünstig ausfällt, für das die Unternehmenslenker schließlich nichts können.

Ich interpretiere die Ergebnisse völlig anders. Am Anfang stehen die Kriterien zur Bewertung der zukünftigen Arbeitgeber. Und die sind ein Uppercut gegen die neue Arbeitswelt. Denn dort (s.o.) finde ich rein gar nichts, was auch nur näherungsweise kompatibel wäre mit wichtigen Aspekten neuer Arbeit, wie Partizipation, Sinnerleben, Nachhaltigkeit, Gemeinwohl etc. Nein, es ist möglicherweise sogar das Gegenteil: Das fünftwichtigste langfristige Kriterium der Gen Z besteht darin, Führungsaufgaben zu übernehmen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Befragten eine halbwegs klare Vorstellung von dynamischer Führung jenseits formal-fixierter Hierarchie haben.

Des weiteren ist auffällig, dass alle Arbeitgeber die bekannten Vertreter in ihren jeweiligen Sparten sind. Allen voran glänzen mal wieder die Blue Chips. Es findet sich nicht ein großer Mittelständler wie Würth oder dm drogeriemarkt. Geschweige denn viel kleinere Unternehmen mit weniger als 10.000 Mitarbeiter*innen, die den größten Teil der deutschen Arbeitgeber ausmachen. Damit sind wir einmal mehr bei der Sichtbarkeit, die wir Unternehmensdemokraten schon eine ganze Weile ansprechen. Hier wird es überaus deutlich: Wer gute neue Mitarbeiter*innen gewinnen will, muss sichtbar sein. Wenn das nicht gelingt, kann sich die Personalabteilung und Geschäftsführung erfolgreich auf den allgegenwärtigen Fachkräftemangel herausreden. (vgl: Zeuch 2019: Zeigt her Eure Kultur. Zeuch 2018: Ewig lockt der Fachkräftemangel.)

+++ Neue Konzepte für Neue Arbeit (#NKNA20) und Lean around the clock (#LATC2020) +++

Die hier vorgestellten Ergebnisse können wir auch gerne bei uns auf der #NKNA20 vom 19.-20.03.2020 in Mannheim diskutieren. Vielleicht hat auch einer der Teilnehmer*innen Lust, dieses Thema in einer Session anzugehen. Weitere Informationen: www.priomy.events

 

Herzliche Grüße

Andreas Zeuch

 

Quelle

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: Mashup Logos, frei zu Pressezwecken
  • Tabellen: ©Andreas Zeuch, 2019
3 Kommentare
  1. Persoblogger Stefan Scheller
    Persoblogger Stefan Scheller sagte:

    Hallo Andreas,
    Du stößt mit Deinem Beitrag genau in die Argumentation, die ich bereits seit vielen Jahren auf meinem Blog verfolge: Viel Employer Branding Blendwerk, wenig Substanz, alte Welt pur und New Work nur als überzogenes Filterblasen-/Trendthema.
    Mein Beitrag aus 2016 handelt auch vom Thema „Warum es im Mittelstand keine Top-Arbeitgeber gibt“. Vielleicht ist er als Leseergänzung interessant: https://persoblogger.de/2016/12/12/warum-es-im-mittelstand-keine-top-arbeitgeber-gibt/
    Vielen Dank für diesen Beitrag und herzliche Grüße aus Nürnberg
    Persoblogger Stefan Scheller

    Antworten
    • Dr. Andreas Zeuch
      Dr. Andreas Zeuch sagte:

      Hi Stefan

      danke für die Rückmeldung und das Link zu Deinem Beitrag. Sehr schön, der Titel gefällt mir sehr gut und der Beitrag ist definitiv eine sehr gute Ergänzung!

      Hattest Du seinerzeit Reaktionen aus dem Mittelstand auf Deinen Beitrag bekommen?

      HGA

      Antworten
  2. Studentenwatch
    Studentenwatch sagte:

    Hallo zusammen,

    Also heutige Studenten öffentlicher Hochschulen haben im Studium praktisch null Bezug zur Geschäftswelt insgesamt. Das attraktive Grundgehalt und die Größe der Firma ist die 0815-Belohnung für das Absolvieren. In vielen Branchen wird zudem überschätzt, was gehaltstechnisch ein Studium bringt. Kommen dann bei den Bluechips noch die ganzen verkrusteten Strukturen zusammen, ist das Studium nochmal fragwürdiger, ob es denn beim Aufstieg hilft, wenn sich gerade in den Betrieben soviele Leute für die entsprechenden Positionen tummeln.

    WeWork wird doch gerade über Betriebsräte, Klungeleien und antiwirtschaftlichen Geist zerstört. Da die heutige Jugend aber zum Teil auch privat studiert, wobei die daraus zu ziehende Erkenntnis das Engagement und Leistungswille ist, sind gerade jene es, die WeWork akribisch nachfragen und Cluster ergänzen werden, wo effektiv & selbstständig gearbeitet wird. Damit wird ein Riss durch die Unternehmenswelt gehen.

    Antworten

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