Symbolbild Blockchain

Bleib mir weg mit Blockchain (Teil 1): ein Überblick für Leute, die sich eigentlich nicht dafür interessieren

Hast Du schon mal von Blockchain gehört? Nein? Dann vorab erst einmal herzlich willkommen auf der Erde. Kurz zur Erklärung: Blockchain ist so ähnlich wie die Hochzeit von Harry und Megan. Milliarden Menschen schauen zu, aber einen echten Mehrwert haben nur die, die auch daran beteiligt sind.

Das könnte sich bald ändern. Nach dem riesigen Bitcoin Hype, durch den einige Nerds quasi über Nacht Millionäre geworden sind, hat sich der Markt für Kryptowährungen ein bisschen beruhigt. In der echten Welt ist das digitale Bargeld noch nicht angekommen. Aber als Spekulationsobjekt lässt sich mit den Krypto-Tokens doch einiges anfangen. Das ist auch der einzig wirkliche Grund, weshalb zum aktuellen Zeitpunkt ungefähr 400 Mrd. Dollar in Form von Kryptowährung auf dem Markt gehandelt werden. Das ist immerhin ungefähr genausoviel wie der gesamte deutsche Bundeshaushalt.

So viel zur Statistik. Aber deshalb bist du nicht hier. Vermutlich bist Du hier, weil Du so wie ich nicht wirklich an diesen ganzen Kryptoquatsch glaubst. Und weil Du abschaltest, wenn irgendjemand mit Bitcoin, Ethereum oder IOTA um die Ecke kommt. Und weil Du mit diesen ganzen Nerd-Begriffen wie Kryptowährung und Bitcoin und Tokens und ICO und Blockchain und Distributed Ledger Technology nichts anfangen kannst.

Wenn du nun trotzdem gerne verstehen würdest, ob man sich mittlerweile vielleicht doch für die Blockchain interessieren sollte, dann kann ich dir vielleicht helfen. Genau die gleiche Frage hat mich nämlich auch über die letzten zwei Jahre beschäftigt.  

Um diese Frage beantworten zu können, braucht man übrigens gar nicht unbedingt in die technischen Details zu gehen. Wer das möchte, kann sich einige der zahlreichen sehr ausführlichen und teilweise auch sehr gut geschrieben Artikel zu den Grundlagen der Blockchain ansehen (zum Beispiel hier). Für die eigene Meinung reicht es aber völlig, wenn man das generelle Prinzip versteht.

Blockchain, Kryptowährung, Tokens und so weiter

Wenn es um die Begrifflichkeiten im großen Blockchain Universum geht, dann muss man erst einmal unterscheiden zwischen der technologischen Grundlage – also Blockchain -, den darauf basierenden Anwendungsbeispielen – zum Beispiel Kryptowährung – und den verschiedenen Produkten, die sich aus den Anwendungsfällen ergeben – zum Beispiel Bitcoins.

Auf den Taschentuchmarkt übertragen wäre die Technologie der Zellstoffherstellung das Äquivalent zur Blockchain, Papiertaschentücher wären das Äquivalent zur Kryptowährung und Tempo wäre das Äquivalent zum Bitcoin. Liebe Experten, ich weiß, der Vergleich hinkt wie ein Pirat mit Holzbein, aber für unsere Zwecke ist das verkraftbar.

Blockchain

Symbolbild BlockchainBlockchain ist eine Technologie, die es erlaubt Informationen so zwischen Sender und Empfänger zu übertragen, dass keine dritte Instanz notwendig ist, um diesen Informationsaustausch zu moderieren oder zu auditieren .

Das klingt vielleicht gar nicht wie so eine große Sache, aber letztendlich ist genau das das Problem, welches aktuell so heiß diskutiert wird. Wem gehören die Daten? Wenn du eine Mail schickst, dann nutzt du dafür einen Mail-Anbieter, zum Beispiel GMX. Die Informationen, die du in dieser Mail speicherst, werden von deinem Mail-Anbieter übermittelt. Das heißt, rein technisch kann dieser Mailanbieter sich deine Mail ansehen und Informationen daraus für eigene Zwecke nutzen oder diese an ein anderes Unternehmen verkaufen. Die meisten machen das natürlich nicht, weil es zum Teil illegal ist und sie andererseits ihre Kunden verlieren würden, wenn es herauskäme. Aber die üblichen Verdächtigen wie Facebook oder Google finden immer wieder Wege, die Informationen ihrer Nutzer gewinnbringend einzusetzen. Das ganze System ist so gebaut. Das ist ihr Geschäftsmodell. Der einzige Weg etwas zu ändern ist Regulierung durch die Verschärfung der Gesetze. Was das wiederum für Auswüchse hervorrufen kann, hat die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) gezeigt.

Wenn es nun ein System gäbe, in dem Daten so ausgetauscht werden könnten, dass nur Sender und Empfänger über die konkrete Nutzung dieser Daten entscheiden, dann wäre Datenmissbrauch sehr viel weniger erfolgversprehend.  

An dieser Stelle setzt die Blockchain Technologie an. Die Blockchain gehört niemandem. Jede Information, die über eine Blockchain transportiert wird, kann von allen Teilnehmern der Blockchain eingesehen werden. Sender und Empfänger sind jedoch anonym. Die Identität ist durch einen privaten digitalen Schlüssel geschützt. Wie dieses Prinzip zum Beispiel bei der Kryptowährung Bitcoin umgesetzt wurde, kann man einem kleinen Beispiel veranschaulichen. 

Also stell Dir vor, du schickst mir einen Brief, in dem steht, dass ich von dir 100€ für ein schönes, selbstgemaltes Bild erhalte. Bevor der Brief aber in meinem anonymen Postfach ankommt, machen alle anderen Teilnehmer unserer kleinen Postgemeinschaft ein Foto vom Brief und legen dieses Foto in ihr eigenes anonymes Postfach. Angenommen ich würde nun den Betrag in meinem Brief auf 200€ erhöhen. In dem Fall würdest du losgehen und in all die anderen Postfächer reinschauen. Man würde sofort feststellen, dass der Brief in meinem Besitz nicht mit den bestätigten Kopien übereinstimmt. Das heißt, man würde meinen Brief für ungültig erklären und stattdessen die in der Mehrzahl befindlichen Kopien als korrekt ansehen. Solange ich es also nicht schaffe, auch mindestens 51% der anderen Mitglieder unserer kleinen Gemeinschaft davon zu überzeugen, die Manipulation auch in ihrer jeweiligen Briefkopie vorzunehmen, werde ich mit meinem Betrugsversuch nicht durchkommen. Einen solchen Manipulationsversuch nennt man dann passenderweise auch 51%-Attacke.

Eingefleischte Blockchain-Kenner mögen mir diese Vereinfachung verzeihen. Selbstverständlich ist das ganze Blockchain-Konstrukt deutlich komplexer als diese Brief-Analogie. Aber als gedankliche Stütze erfüllt sie ihren Zweck.

Es gibt mittlerweile zahlreiche verschiedene theoretische und praktische Anwendungsfälle für die Blockchain-Technologie. Das geht bis hin zu der Idee, das gesamte Bildungssystem über ein Blockchain-Konstrukt zu dezentralisieren. Nichtsdestotrotz zeigt sich die größte Wirkung nach wie vor im Finanzsektor.

Kryptowährung

Symbolbild KryptowährungUnd damit kommen wir zur Kryptowährung und dem größten Unterschied zum Buchgeld und zur FIAT-Währung. Jede Art von Geld wird bisher in irgendeiner Form zentral verwaltet. Bestimmte zentrale Organisationen – z.B. Regierungen haben die Möglichkeit zu beeinflussen, ob der Wert einer Währung zu- oder abnimmt. Und wiederum andere Insitutionen – z.B. die Banken – überwachen, wem welche Werte gehören. Das hat durchaus Vorteile. Schwankungen in der Wirtschaft werden durch die Auf- und Abwertung von Währung aufgefangen. Und selbst wenn du mal deine Zugangsdaten zum Online Konto verlegt hast, kannst du zu einer Bank gehen, deinen Ausweis vorlegen und dann bekommst du dein Geld.

Kryptowährung hingegen ist quasi das virtuelle Gold. Wie bei Gold ist es bei Kryptowährung so, dass der Besitz lediglich durch den Zugang geregelt ist. Ein Goldbarren gehört nur solange dir, wie er an einem Ort liegt, auf den nur du Zugriff hast. Wenn du das Gold beispielsweise auf der Straße liegen lässt, wo es jemand anderes findet, gibt es per se erstmal keine Möglichkeit zu beweisen, dass dieses Gold dir gehört.

Da man einen Bitcoin im Gegensatz zum Gold nicht einfach in die Hosentasche packen kann, gibt es dafür üblicherweise virtuelle Geldbeutel, sogenannte Wallets. Möchte ich also auf eine bestimmte Menge Bitcoins Zugriff erhalten, dann erstelle ich so eine Wallet, zu der nur ich den Zugangscode kenne. Und dann lasse ich jemanden anderes, der bereits Bitcoins besitzt eine Transaktion ausführen, die dazu führt, dass eine bestimmte Anzahl Bitcoins in meine Wallet gepackt werden.

Das Prinzip ist hier das gleiche wie mit unserem Brief. Ich schreibe einen Brief, in dem steht, dass ich dir 6.000€ gegeben habe und du hast dafür einen Bitcoin in den von mir erstellten virtuellen Geldbeutel getan. Alle anderen Teilnehmer bestätigen diese Transaktion. Ganz wichtig ist hier, dass in dem Brief nicht erkennbar ist, dass du mir diesen Bitcoin persönlich gegeben hast. Das heißt, wenn ich die Zugangsdaten zu meiner Wallet verliere, dann kann ich nicht mehr darauf zugreifen. Und auch niemand anderes. Es gibt keine zentrale Instanz, die im Notfall eingreifen kann. Wenn der Zugang zur Wallet weg ist, dann ist der Bitcoin nutzlos, weil niemand ihn wieder aus der Wallet rausholen kann. Ähnlich wie bei der Kombination zu einem einbruchssicheren Tresor. Rein theoretisch mag es sein, dass der Tresor in deinem Haus steht. Aber wenn du nicht an die Edelsteine rankommst, die drin liegen, dann sind sie rein praktisch nicht mehr verfügbar.

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hypothetisch. Aber faktisch haben viele Menschen, die sich vor Jahren mal aus Spaß Bitcoins zum Schleuderpreis gekauft haben, die Schlüssel für ihre Wallets verlegt oder verloren. Es wird geschätzt, dass aktuell Bitcoins im Wert von mehreren Milliarden für immer verschollen sind, weil niemand mehr auf diese zugreifen kann. Falls ihr also irgendwann einmal mit dem Gedanken spielt, Kryptowährung in einer Wallet zu speichern. Verliert auf keinen Fall diesen verflixten Zugangsschlüssel!

Wenn Du also eine Möglichkeit suchst, Werte zu speichern, die unabhängig sind von einer Zentralbank, der Inflation oder irgendeinem Drittanbieter, dem du vertrauen müsstest, dann sind Kryptowährungen dein Ding. Aber vorsicht. Genauso wie die alten D-Mark Münzen, die du neulich in der Schatulle hinterm Ofen gefunden hast, ist auch der Wert der Kryptowährung davon abhängig, dass andere Menschen diesem Wert vertrauen. Solange die Menschen nicht daran glauben, dass sie mit Kryptowährung Bananen bei Rewe kaufen können, muss man die Coins erst wieder in einer allgemein anerkannte Währung umtauschen, bevor man einkaufen gehen kann. Aus diesem Grund sind Kryptowährungen bislang in erster Linie ein Spekulationsobjekt ohne echten Nutzen für die breite Masse.

Token

Und damit kommen wir zum dritten wichtigen Aspekt. Den sogenannten Coins oder allgemeiner Token. Neben der wohl bekanntesten Kryptowährung Bitcoin, gibt es mittlerweile mehr als 1.600 alternative Tokens. Die sogenannten Alt-Coins. Diese basieren in der Regel auf den oben beschriebenen Blockchain Mechanismen und sind ebenfalls aktuell primär Spekulationsobjekte. Allerdings angereichert mit mehr oder weniger plausiblen Geschichten, weshalb sie aufgrund konkreter Anwendungsbeispiele im echten Leben nachhaltig erfolgreich sein werden.  

Als sich herauskristallisierte, dass die Blockchain Bitcoins mehr sind, als nur ein feuchtgewordener Traum anarchistischer Computerfreaks und damit einige Leute sehr viel Geld verdienten, begannen immer mehr Goldgräber ihre eigenen Token zu entwickeln. So wie US Dollar, EURO und Zloty gibt es nun also Bitcoin, Ethereum, und WhopperCoin.

Nun kennst du die wichtigsten Begrifflichkeiten aus dem Blockchain Universum. Was genau man nun damit anfangen kann, warum es sich bisher in erster Linie nur um Spekulationsobjekte gehandelt hat und warum sich das aktuell ändert, erfährst du im zweiten Teil.

 

Herzliche Grüße

Gregor

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: TheDigitalArtist über pixabay (CC0 Creative Commons)
  • Kette: Kette (boat-chain-daw…): Joey Kyber über pexels.com (PExels Licence)
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