Bleib mir weg mit Blockchain (Teil 2): Warum Kryptowährungen bisher lediglich Spekulationsobjekte waren

Rein technisch gesehen ist die Blockchain ein ziemlich brillantes Konzept, wie ich im letzten Artikel kurz skizziert habe. Und trotzdem würde ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Sie noch in keinem Supermarkt mit Bitcoin bezahlt haben. Denn aktuell sind Kryptowährungen in erster Linie Spekulationsobjekte.

Ich bin der festen Überzeugung, dass einige Entwickler von Kryptowährungen die besten aller Intentionen haben. Sie möchten mit ihren Ideen die Welt revolutionieren. Aber seien wir doch einmal ehrlich. Die Verbesserung der Welt war sicherlich das Letzte, was die Erfinder der TrumpCoin im Kopf hatten. Und auch die Genies hinter dem PotCoin oder dem UFOCoin wollten in erster Linie auf der Bitcoin Welle mitreiten. Und das ist ja auch gar nicht so dumm. Mit der Veröffentlichung einer neuen Kryptowährungen kann man eine Menge Geld verdienen.

Das funktioniert so: Angenommen du würdest gerne einen Token entwickeln, der einzig und allein dazu da ist, Katzenfutter zu kaufen. Und zwar möglichst anonym und sicher. Du nennst diese Währung CatCoins (mach dir keine Mühe, die gibt es auch schon). Gehen wir weiterhin davon aus, dass es noch ganz viele andere Leute gibt, die gerne anonym Katzenfutter kaufen würden. Du erstellst eine Million virtueller CatCoins. Kostet dich ja nichts außer ein bisschen Zeit. Ist ja virtuell.

Im ersten Schwung verkaufst du die Hälfte deiner CatCoins für einen Euro pro Stück. Die andere Hälfte behältst du. Das funktioniert, weil du genügend Leute davon überzeugt hast, dass CatCoins irgendwann mal von Händlern als Zahlungsmittel akzeptiert werden würde. Und nun sind 500.000 CatCoins auf dem Markt. Dieses Verfahren nennt man Initial Coin Offering (ICO). Vergleichbar mit dem Initial Public Offering (IPO) von Unternehmen, wenn sie Aktien ausstellen und erstmalig an die Börse gehen.

Zu diesem Zeitpunkt kann niemand etwas mit den CatCoins anfangen, weil es bisher noch keine Händler gibt, die diese als Zahlungsmittel akzeptieren. Aber das ist erstmal egal. Als Spekulationsobjekt funktionieren diese CatCoins schon sehr gut. Immerhin gibt es viele Katzenliebhaber und irgendwann werden auch die Katzenfutterverkäufer checken, was das für eine geile Idee ist. Und wer dann einen guten Vorrat an CatCoins hat, der ist super aufgestellt. Deshalb beginnen die Leute bereits mit CatCoins zu handeln, ohne das Katzenfutter dabei irgendeine Rolle spielt. Dadurch steigt der Preis.

Ein CatCoin der heute noch 1,00 Euro gekostet hat, ist morgen vielleicht schon 2,00 Euro wert, weil die Nachfrage größer wird. Und du als Entwickler freust dich ein Loch in den Bauch. Weil auf der einen Seite hast du bereits mit den ersten 500.000 CatCoins 500.000 Euro verdient und zweitens sind deine anderen 500.000 CatCoins nun schon 1 Mio. Euro wert. Wenn das so weiter geht, dann kann dir der anonyme Katzenfutterkauf bald egal sein. Dann kaufst du dir von deiner ganzen Kohle nämlich einfach eine eigene Katzenfutterfabrik.

Ziemlich viele Leute waren damit ziemlich erfolgreich. Im Dezember 2017 als ein Bitcoin 17.000 US-Dollar wert war, ist plötzlich die Goldgräberstimmung ausgebrochen. Die Leute sind losgerannt und haben alles gekauft, was nicht bei drei in irgendeiner Wallet war. Viele dieser groß angekündigten neuen Coins haben sich im Nachhinein als viel heiße Luft herausgestellt. Die Entwickler, die teilweise nicht mehr als ein Postfach auf den Cayman Islands als Kontaktadresse hinterlegt hatten, sind mittlerweile wirklich auf den Cayman Islands. Allerdings mit Cocktails statt CatCoins.

Smart Contracts

Nichtsdestotrotz gab es einige, die wirklich an die Idee glaubten, das man Blockchain Technologie nutzen könnte, um ein faireres, unabhängigeres Finanz- bzw Transaktionssystem zu bauen.

Man kann über die Blockchain nicht nur den Austausch von Währung sicher und dezentralisiert gestalten. Im Prinzip kann jede Form von Vereinbarungen per Programmiercode auf einer Blockchain abgebildet werden. Man spricht in diesem Kontext von Smart Contracts.

Eine über Blockchain abgewickelte Transaktion ist also nicht allein beschränkt auf: ich nehme aus meinem virtuellen Geldbeutel einen Bitcoin raus und tue den in deinen virtuellen Geldbeutel hinein. Die Vereinbarung könnte im Versicherungswesen zum Beispiel lauten: Wenn du dein Auto einen Tag lang nicht bewegst, sinkt der Beitrag für die monatliche Versicherung automatisch um 0,1%.

Für diejenigen unter uns, die bisher kein großes Problem mit zentralisierten Systemen hatten und sich ab und zu auch mal ein Buch bei Amazon kaufen, klingt das weniger spektakulär. Aber für ein große Anzahl von Menschen, die das Vertrauen in die großen Konzerne und unsere Finanzsysteme verloren haben, ist das eine Revolution. Es müssen keine Banken mehr gerettet werden. Es braucht keine Notarkosten oder Gebühren für Zwischenhändler mehr, die die einzige Aufgabe haben, als vertrauenswürdige Dritte zu fungieren. In der idealen Kryptowelt erledigt das nun die Software. Diese Software ist unbestechlich, transparent und dank Blockchain Technologie auch nur sehr schwer manipulierbar.

Die freie, dezentrale Blockchain ist zu teuer

Aber die Blockchain hat einen Haken. Viele darauf basierende Kryptowährungen und andere Anwendungen – allen voran der Bitcoin – sind aktuell nicht gut skalierbar. Damit eine Transaktion sicher in die Blockchain geschrieben werden kann, muss sie in einem Block mit anderen Transaktionen zusammengefasst werden. Und dann muss dieser Block von einem unabhängigen Dritten bestätigt werden. Je mehr Transaktionen es gibt, desto aufwändiger und langsamer wird der gesamte Prozess.

Bei der Bitcoin Blockchain übernehmen das die sogenannten Miner. Ihr einziger Zweck ist es Transaktionen zu bestätigen, bevor sie in die Blockchain geschrieben werden. Für den Aufwand erhalten sie eine kleine Gebühr.

Um Betrug zu verhindern, müssen die Miner mit ihrem Computer eine recht umfangreiche Rechenaufgabe lösen, bevor sie einen Block bestätigen dürfen. Das ist der sogenannte Proof of Work. Der erste, der die Aufgabe löst, darf den Block bestätigen und erhält die Gebühr. Da dies recht lukrativ ist, haben immer mehr Miner immer schnellere Computer zusammengeschlossen, um die Rechenaufgabe möglichst häufig als erste zu lösen. Parallel dazu werden die Rechenaufgaben immer schwieriger. Ein Teufelskreis.  

Letztendlich hat es dazu geführt, dass eine auf Blockchain basierende Bitcoin Transaktion mittlerweile genauso viel Energie verbraucht wie ein 1-Personen-Haushalt im Monat. Und die Tatsache, dass die Blockchain mit jeder Transaktion länger wird, hat dazu geführt, dass mittlerweile riesige Datenmengen verarbeitet werden müssen. Die aktuell Bitcoin Blockchain ist über 170 GB groß. Das ist so viel wie 50.000 hochauflösende Fotos.

Die große Vision von einem dezentralen, globalen Transaktionssystem regt viele Menschen zum Träumen an. Elektronische Autos, die ihre eigene virtuelle Geldbörse haben und damit automatisch den Strom an der Ladestation bezahlen. Das klingt großartig. Aber so lange bei dem Prozess mehr Strom verbraucht wird, um die Transaktion in die Blockchain zu schreiben, als letztendlich beim Auto ankommt, wird das System sich nicht durchsetzen.

Es gab bereits verschiedene Ansätze diese Probleme anzugehen und es wurden einige interessante Fortschritte gemacht. Aber bislang war nichts davon so überzeugend, dass es sich tatsächlich im Mainstream durchsetzen konnte. Und deshalb sind Kryptowährungen nach wie vor erst einmal nicht mehr ein Spekulationsobjekt, dass Visionen weckt. Seit einem guten Jahr gibt es jedoch einen neuen technologischen Ansatz aus Deutschland. Die selbsternannte dritte Generation der Blockchain, die die oben beschriebenen Probleme zumindest theoretisch gelöst hat. Es wurde mit IOTA ein Konzept entwickelt, mit dem Kryptowährung auf breiter Ebene Einzug in das echte Leben halten könnte. Wie und warum genau könnt ihr unter anderem hier erfahren.  

 

Herzliche Grüße,

Gregor.

 

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