Unternehmensdemokratie oder Selbstorganisation?

Seit der Veröffentlichung von „Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ hatte ich das Vergnügen, zahlreiche Gespräche, Diskussionen und Streitgespräche zu führen, in denen es immer wieder um den Begriff der Selbstorganisation ging: Was ist der Unterschied zur Unternehmensdemokratie? Die Auseinandersetzung reichte von der berechtigten Frage nach dem Unterschied bis hin zu äußerst klaren Statements, dass doch Selbstorganisation der wesentlich bessere Begriff sei, mithin also auch das mit diesem Begriff verbundene Konzept tauglicher zur Erneuerung der Unternehmensführung wäre. Im Folgenden dazu nun meine öffentlich-offizielle Stellungnahme.

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Rüdiger Jungbluth, Florian Felix Weyh, Jens Dirksen und Andreas Zeuch (v. l. n. r., gezeichnet von Franziska Köppe / madiko)

Doku_ Autokratie oder Mitbestimmung? Lesart 10_2015

Um „Die Macht der Manager – Mitbestimmung oder Autokratie in Unternehmen?“ ging es am Dienstag, 27. Oktober 2015, im Café Central des Grillo-Theaters in Essen. In der von Deutschlandradio Kultur aufgezeichneten Sachbuch-Sendung „Lesart“ waren zu Gast die Autoren Rüdiger Jungbluth („Die Quandts: Deutschlands erfolgreichste Unternehmerfamilie“ (/Campus, 2015) und Dr. Andreas Zeuch („Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten” (/Murmann Publisher, 2015). Moderiert von Florian-Felix Weyh, Deutschlandradio Kultur, debattierten sie gemeinsam mit WAZ-Kulturchef Jens Dirksen darüber, ob die Zeit der allmächtigen Wirtschaftsbosse vorbei ist und wie viel Demokratie die Leitung eines Unternehmens verträgt. Weiterlesen

Langzeituntersuchung des Angestellten-Wohlbefindens

Vor kurzem machte mich ein guter Freund darauf aufmerksam: In einer ganz neuen Studie, veröffentlicht im November 2015,  untersuchte eine Forschungsgruppe die Entwicklung des (affektiven) Wohlbefindens von Managern. In drei Wellen wurden 402 finnische Führungskräfte über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht, wobei es auch um die Auswirkungen von (Veränderungen) des Arbeitsumfelds auf das Wohlbefinden ging. Die Ergebnisse zeigten unter anderem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Arbeitsumfeld und Wohlbefinden.

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Doku_ Votrag bei der Interface AG 10_2015

Ende Oktober hatte ich das Vergnügen, bei der Interface AG in Unterhaching in der Nähe von München meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus „Alle Macht für niemand“ in einem Vortrag vorzustellen. Eingeladen hatte mich der Gründer, Inhaber und jetziges Aufsichtsratsmitglied Roland Dürre. Zu meiner Ehre war der gesamte Vorstand da und bereicherte auch die anschließende Diskussion mit denkwürdigen Beiträgen. Das Publikum war angenehm durchmischt, alte Hasen und junge Startup Gründer, Männer wie Frauen in ausgewogenem Verhältnis. Kurzum: Demokratische Vielfalt im Auditorium, was will man und frau mehr?

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Hand anlegen – Wie macht man Unternehmensdemokratie?

Wie setzt man Unternehmensdemokratie eigentlich gut um? Also, wie kommt man vom Überlegen,  Vereinbaren, gedanklichen Organisieren und Planen, etc. ins aktive Handeln? Was braucht der und die Einzelne dazu? Diese Frage könnte jetzt implizieren, dass man das, was man braucht nicht hat. Also alles mit einem Mangel startet, den es erst einmal zu beseitigen gilt. Dem ist nicht so. Das, was es für das Handeln braucht, haben Sie und ich schon längst. Wir nutzen es nur nicht bewusst, d.h. wir sind lediglich aus der Übung. Untrainiert ist unsere bewusste Aufmerksamkeit und unsere Wahrnehmung – vielleicht fehlt es auch an einer guten Fehlerkultur im Unternehmen, aber das ist ein eigenes Thema.

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Doku_ Vortrag an der Uni Hamburg 10_2015

Aller guten Dinge sind drei. Mein Vortrag am Career Center der Universität Hamburg am 22. Oktober war mein drittes Gastspiel an der Uni in der Hafenstadt. Es war mir eine Freude wieder dort sein zu können, um diesmal über Unternehmensdemokratie zu sprechen. Traditionell wird nach dem Vortrag eine Podiumsdiskussion veranstaltet, bei der dieses Mal Kim Duggen von der oose innovative Informatik eG, Kerstin Kluge von der Hermes NextTec GmbH und Uwe Lübbermann von Premium Cola dabei waren. Eine spannende Besetzung, die eine interessante anschließende Diskussion erwarten ließ. Im Folgenden eine kurze Dokumentation gewissermaßen als Gedächtnisprotokoll.

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Die Ironie im Betriebsverfassungsgesetz

In der Vorbereitung auf die einstündige Livesendung „Lesart“ des Deutschlandradio Kultur unter der Überschrift „Die Macht der Manager – Mitbestimmung oder Autokratie in Unternehmen?“ kam mir eine intutitive Idee: Ich sollte das Betriebsverfassungsgesetz zumindest mal grob überfliegen. Ich machte mich an diese Aufgabe und fand etwas geradezu Unglaubliches. Erst glotzte ich nur entgeistert auf den Gesetzestext, dann begann ich zu lachen, dann stierte ich wieder nur fassungslos auf das, was der Gesetzgeber da eigentlich gemacht hat, schüttelte den Kopf, lachte, glotzte. Aber fangen wir von vorne an: Was ist eigentlich der Sinn des Betriebsverfassungsgesetzes?

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Zeichnung Dr. Andreas Zeuch, Matthias Wendorf und Bastian Wilkat

Doku_ Streitgespräch Unternehmensdemokratie 10_2015

Das Thema „Neue Arbeit“ ist im Mainstream angekommen. Zahlreiche (Un)Konferenzen setzen es auf ihre Agenda. Publikationen aller Art widmen sich den Fragen rund um Lebens- und Arbeitsbedingungen und den Herausforderungen, denen wir in der Epoche der „Digitalen Transformation“ begegnen.

Wer sich mit „NewWork“, wie es neudeutsch auch genannt wird, auseinandersetzt, kommt um den Begriff „Unternehmensdemokratie“ nicht herum. Doch wie definiert sich Demokratie für Unternehmen? Wie schafft dieses Konstrukt den Sprung in die Praxis?

Um das zu diskutieren, lud Bastian Wilkat zwei Gäste zu einem Google Hangout on Air ein: Matthias Wendorf, Geschäftsführer der Agentur wiif, und Dr. Andreas Zeuch. Via Social Media konnte fleißig mitdiskutiert und Fragen aufgeworfen werden. Co-Moderator und Gastgeber der virtuellen Podiumsdiskussion war Publizist Gunnar Sohn.

Hier meine persönliche Zusammenfassung inklusive Sketchnotes und der Mitschnitt des Livestreams.

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Die Klassiker der Epidemiologie: Whitehall I + II

Die beiden Studien, die wir heute vorstellen, sind schon recht betagt. Und doch kennen sie immer noch viel zu wenig Leute. Faszinierend, würde Spock das kommentieren. Denn immerhin zeigten beide Studien unter der Leitung von Professor Michael Marmot einen signifikanten Zusammenhang des sozioökonomischen Status und der allgemeinen Sterblichkeitsrate. Konkret wurde mit Whitehall I herausgefunden, dass männliche Angestellte des tiefsten Dienstgrades eine dreimal so hohe Sterblichkeit aufwiesen wie Studienteilnehmer mit dem höchsten Dienstgrad, gemessen im Rahmen einer Langzeitstudie über 10 Jahre. In der darauf folgenden Studie Whitehall II wurde unter anderem weiter herausgearbeitet, dass der Kontrollverlust über einen wichtigen Teil des eigenen Lebens in Folge einer Anstellung auf einer geringen Hierarchiestufe  mit längeren Krankenfehlzeiten verbunden ist. Was sich wiederum mit dem seit 2003 erhobenen Gallup Engangement Index deckt, auf den ich unter anderem in „Alle Macht für niemand“ eingegangen bin.

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Das Ende der Konzernokratie. Lernen wir von VW?

Es ist einer der größten Unternehmensskandale der letzten Jahre. Einer, der das zerstörerische Potential mit sich bringt, nicht nur eine ganze Branche in Verruf zu bringen, sondern das informelle Qualitätssiegel eines der wirtschaftsstärksten Länder in den Dreck zu ziehen. „Made in Germany“, „ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts als Schutz vor billiger Importware in Großbritannien eingeführt“ (Wikipedia), ist nun nicht mehr automatisch der Garant für hohe Qualität, für Ingenieurskunst auf höchstem Niveau, sondern wirft tatsächlich einen Schatten auf deutsche Produkte. Der Grund für diese Zerstörungskraft ist der Logik weltweit operierender Konzerne tief eingeschrieben. Was bei VW und diversen anderen Großunternehmen in den letzten Jahrzehnten geschah, ist nicht im Geringsten überraschend, sondern das Ergebnis ihrer unendlichen Wachstumsstrategie und ihrer zu diesem einzigen Zweck installierten maschinellen Steuerung. Weiterlesen