Wie Sparpolitik zu rechtem Wählerverhalten führt

Sparpolitik. Am 30. Januar 1933 war es soweit: Hitler kam an die Macht und wurde zum Reichskanzler ernannt. Es war der formale Beginn einer heraufziehenden apokalyptischen Zeit. Durch die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes am 24. März desselben Jahres sowie das am 01. Dezember 1933 in Kraft getretene „Gesetz zur Sicherung der Einheit Partei und Staat“ vollzog sich der Umbau zum totalitären Einparteienstaat in großer Geschwindigkeit. Die bisherige Lesart lag vor allem in den Auswirkungen des Versailler Vertrags, der großen Depression und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit, die zum geschichtsverändernden Aufstieg und Erfolg der NSDAP beitrug. Vor knapp einem Jahr publizierte indes eine internationale Forschergruppe (Universität Bocconi, University of California, London School of Hygiene & Tropical Medicine) eine Untersuchung, die einen anderen Zusammenhang herausarbeitet, der gerade für unsere heutige Zeit und den international erstarkenden Rechtspopulismus äußerst interessant ist: „Austerity and the rise of the Nazi Party“.

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Dominanzverhalten

Dominanzverhalten in Teams und Organisationen

Die Internet-Recherche zu diesem Blogartikel irritierte mich. Dass ich bei Suchbegriffen zu dominantem Verhalten zunächst einmal auf zahlreiche Angebote von Dominas stoßen würde, hatte ich schon fast vermutet. Dass in zweiter Linie auch allerlei Artikel und Beiträge von Hundehaltern und Tierflüsterern auftauchten, war mir schnell verständlich. Dass es dann aber schon dünn werden würde, hatte ich nicht erwartet. Ist dieses Thema bei Menschen – außerhalb von Paarbeziehungen – tatsächlich so unerforscht? Der Fund der Disseration „Dominanzverhalten in Teams: Dominanzarten und Dominanzkreisläufe“ von Matthais Benjamin Ballweg, scheint mir dass zu bestätigen. Er weißt mehrfach in seiner Doktorarbeit darauf hin, dass es in der Dominanzforschung noch viele offene Fragen gibt. Die Ausführungen zum Thema fand ich allerdings interessant. Sie gaben mir ein solides Fundament, um darauf weiter zu denken und eröffneten mir einige neue Perspektiven auf die Psychologie dieses Verhaltens – hinterließ aber auch viele weitere offen Fragen. Das alles in einem Artikel aufzuarbeiten wäre zuviel, daher, beginne ich in diesem Beitrag mit der Zusammenfassung einiger Grundlagen auf Basis der Dissertation.

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Auswirkung von Großraumbüros auf Interaktion und Kommunikation

Ist es nicht naheliegend, dass in Großraumbüros ohne trennende Wände eine offenere Kommunikation stattfindet, als in den üblichen abgeschlossenen Büros? Zumindest scheint dies eine der üblichen Grundannahmen bei der Neugestaltung von Arbeit zu sein. Viele Firmen reißen Wände nieder, um mehr und bessere Zusammenarbeit zu erwirken, kollektive Intelligenz zu entfachen  und damit gleich noch eine starke symbolische Botschaft zu senden. Bislang wussten wir aber nicht, ob dieser augenscheinvalide Zusammenhang auch einer strengen wissenschaftlichen Prüfung standhält. Und siehe da: Vor kurzem erschien eine Studie, die recht profund zeigt, dass die persönliche Kommunikation signifikant abnimmt. Die Untersuchung hat allerdings auch einen Haken, der den bisherigen Journalist*innen nicht aufgefallen ist.

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Beitragsbild Halle-Neustadt als Symbolbild für Kinder- und Jugendarmut

Wirtschaftswachstum ade, Teil 2: Wenn die Mutter nicht arbeitet

Letzte Woche berichtete ich über eine Studie von McKinsey über die Umkehrung des Wachstumsprozesses beim Einkommen junger Generationen. Die Studie zeigte auf erschreckende Weise, dass es eben nicht immer weitergeht mit dem Wachstum. Und das bedeutet, dass es nicht nur Stagnation gibt, sondern sogar schrumpfende Ergebnisse (die natürlich angesichts des Wachstumswahsinns gerne „Negativ-Wachstum“ genannt werden, um zumindest noch das Wort Wachstum weiter verwenden zu können.) Zu den beschriebenen Studienergebnissen gesellt sich eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Sie eruierte den Zusammenhang zwischen der Arbeit von Müttern und Kinderarmut. Das Ergebnis stützt den von McKinsey aufgezeigten Trend hin zu geringeren und rückläufigen Einkommen. 

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Wirtschaftswachstum ade, Teil 1: Kinder verdienen weniger als ihre Eltern

Wirtschaftswachstum: Der zwanghafte, wahnhafte Glaube an ein unendliches Wirtschafts-Wachstum hat schon eine Weile Risse. Ihre Befürworter glauben zwar immer noch ungebrochen daran, wie jüngst der Dokumentarfilm „System Error“ teils eindrücklich zeigte (ich hatte das Vergnügen, bei der Premiere in Berlin dabei zu sein). Neben der grundsätzlichen Gretchenfrage, wie in einem begrenzten System unendliches Wachstum möglich sein soll, kam 2016 noch eine globale Studie hinzu, die den Mythos vom Wachstum massiv in Frage stellt. Dabei ist das durchführende Institut frei von jeglichem kapitalismuskritischen Verdacht: Das McKinsey Global Institute.

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Die Zukunft der Arbeit macht krank. Psychische Erkrankungen bei Studenten nehmen zu.

Am 19.03. veröffentlichte unsere Wiener Kollegin Julia Culen Ihren Beitrag „Generation A(ngst) – mit ihr haben wir nicht gerechnet„. Bei 350 befragten Student*innen zeigte sich ein klarer Trend, der nicht im Geringsten zu den üblichen medialen Mantren der Generationen Y und Z passt: Der Beruf sollte später vor allem Routine und Sicherheit bieten. In Anbetracht der laufenden Digitalisierung und damit Automatisierung ist es schon erstaunlich, dass sich Studenten der Wirtschaftswissenschaften allen Ernstes solche Jobs wünschen, die voraussichtlich in den nächsten Jahren am ehesten wegrationalisiert werden. Wenn man die von Julia präsentierte Studie mit dem aktuellen Barmer-Arztreport 2018 zusammen betrachtet, ergibt sich ein schlüssiges Bild. Und das gibt zu Denken.

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Lügen - Lügenbaron Münchhausen schlägt mit seinem Pferd einen Purzelbaum

Lügen haben viele Beine

Lügen haben doch kurze und nicht viele Beine, oder? Sprich: Eigentlich kommt gemäß der Volksweisheit die Wahrheit doch schnell ans Licht. In Afrika kursiert dazu passend auch das Sprichwort, dass man mit einer Lüge einmal, aber nicht zweimal essen könne. Das ist zweifelsfrei für die Arbeitswelt von großer Bedeutung. Es ist nicht egal, ob Lügen eine lange oder kurze Halbwertszeit haben. Würden Lügen nicht relativ schnell aufgedeckt werden, steigt das Risiko, als Unternehmen auf lange Sicht erheblich größere Probleme zu bekommen, weil der Sumpf der Lügen mit der Zeit immer größer wird. Genau deshalb ist eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München wichtig.

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Generation (A)ngst – mit ihr haben wir nicht gerechnet!

„Die jetzige Generation ist schon recht brav“, so Prof. Rudolf Vetschera von der Universität Wien. Wir sitzen in seinem Besprechungszimmer und diskutieren die Ergebnisse einer Studie, die wir in Kooperation mit der Universität Wien durchgeführt haben. 350 TeilnehmerInnen, durchschnittlich 25 Jahre alt, international, quer durch die Studienfächer mit einem große Schwerpunkt auf Wirtschaftswissenschaften. Wir wollten wissen, was sie sich denn so vom Arbeitsleben erwarten und wünschen. Viele der Befragten wissen, wovon sie sprechen, denn 90% der Befragten haben schon Arbeitserfahrung, immerhin 35% einen Full-time Job.

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Flache Hierarchie und dynamische Führung steigern Innovationskraft, Motivation und Mitarbeiterbindung

Einmal mehr haben wir es Schwarz auf Weiß: Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Höhe und Starrheit von Hierarchie sowie der jeweiligen Führungskultur mit der Innovationskraft eines Unternehmens, der Motivation der Mitarbeiter und zur Mitarbeiterbindung. Im Winter 2016 befragten Kienbaum und Stepstone deutsche Fach- und Führungskräfte zu diesem möglichen Zusammenhang. Die Ergebnisse sind ausgesprochen eindeutig.

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Unternehmensdemokratie ist gesund

Unternehmensdemokratie soll gesund sein? Warum das denn? Darum: Im Oktober 2015 veröffentlichte ich hier im Blog den Post „Die Klassiker der Epidemiologie: Whitehall I + II„. Damals skizzierte ich kurz die Ergebnisse dieser bis heute bahnbrechenden Sozio-ökonomischen Studien, die bereits 1984 und 1991 publiziert wurden. Sie zeigten schon damals einen klaren Zusammenhang zwischen dem Sozio-öklnomischen Status von Arbeitnehmer*innen und deren Gesundheit bis hin zur Sterblichkeit. Die Ergebnisse pointierte ich seinerzeit so: „Zugespitzt ließe sich sagen: Mit- und selbstbestimmte Arbeit erhöht die Chance, gesund zu bleiben.“ Nun wurde Ende März 2017 eine spezifisch deutsche Studie mit ähnlichen Fragestellungen vom Institut für medizinische Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abgeschlossen, die sogar eine noch größere Stichprobe aufweist. Die Ergebnisse stützen Whitehall I + II, ergänzt um spezifisch deutsche sozio-ökonomische Bedingungen: Das Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland.

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