Doku_ Business Unusual Forum 09_2016

Das Business Unusual Forum wird durch die noventum consulting GmbH in Münster unter Leitung des Gründers, Inhabers und Geschäftsführers Uwe Rotermund organisiert. Über eine Empfehlung durch meine Kollegin Stephanie Borgert buchte mich Uwe Rotermund für eine Keynote und einen anschließenden Workshop über Unternehmensdemokratie. Die Veranstaltung richtete sich vorwiegend ans Topmanagement von Unternehmen, die – soviel sei hier schon gesagt – mit viel Offenheit und großem Engagement dabei waren.

Der Rahmen

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Triple A: agil, anständig, attraktiv“ und war folgendermaßen ausgeschrieben:

© noventum

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„Das BUSINESS UNUSUAL FORUM ist ein Treffpunkt für Menschen, die etwas zu sagen haben. Die sich nicht mit dem „business as usual“ zufrieden geben, sondern mutig und erfolgreich davon abweichen – und dabei jede Menge Spaß haben. Menschen aus allen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft, die dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen Unterschied zu machen. Ein perfekter Mix aus Unternehmern, Meinungsbildnern und Entscheidern. Das Format ist inhaltsgetragen und Community-bildend. Unser Anspruch: überraschend interaktiv. Auf dem Programm des BUSINESS UNUSUAL FORUMS steht ein spannender Mix aus Vorträgen, Interviews, interaktiven Sessions und Gesprächen.“

Das Programm:

  • Improvisierte Begrüßung
  • Keynote Matthias Horx: Die Zukunft der Arbeit – Kreativer Kapitalismus
  • Creative Circle I – Fragen zur Keynote, die von den Teilnehmern diskutiert wurden
  • Casting und Voting von Teilnehmerpräsentationen
  • Präsentationen der 3 am meisten gewählten Präsentationen
  • Keynote Stephanie Borgert: Agil – Heilmittel oder doch nur halbe Wahrheit
  • Creative Circle II
  • Keynote Andreas Zeuch: Alle Macht für niemand – Aufbruch der Unternehmensdemokraten
  • Creative Circle III
  • Matthias Horx Ausklangsimpuls
  • Abendessen
  • Workshops mit den Referenten

Agilität und Unternehmensdemokratie

 

Stephanie Borgert bei Ihrer Keynote, © noventum 2016

© noventum 2016

Da ich leider erst am frühen Nachmittag in Münster eintraf, konnte ich nur noch das Ende der Keynote von Matthias Horx miterleben und kann darüber nichts schreiben. Anders war es jedoch bei der Keynote von meiner Kollegin Stephanie Borgert: „Agil – Heilmittel oder doch nur halbe Wahrheit?“ Stephanie widmete sich dem allerortens erklingenden Ruf nach Agilität, der ja auch Bestandteil dieser Veranstaltung war. In meiner zwangsläufig subjektiven Interpretation hörte ich als Kern ihrer Botschaft heraus, dass es nicht mit irgendwelchen hippen Methoden á la Scrum getan ist, sondern das es vor allem eine Änderung der inneren Haltung bedarf. Denn Agilität wird durch die zunehmende Komplexität und Dynamik der Welt nötig, sie ist kein Selbstzweck. Und um dieser Komplexität angemessen zu begegnen, braucht es auch ein bisschen Demut, sonst tappen wir schnell in diverse Fallen. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann ich aus tiefsten Herzen nur zustimmen. Genau das ist auch mein Credo bezüglich der Selbstorganisation von Organisationen, die ich gerne als Demokratisierung der Arbeit auf den Punkt bringe. Auch dabei sind Werkzeuge hilfreich und unerlässlich, aber keineswegs das Fundament eines erfolgreichen Wandels und späteren Bestehens.

©noventum 2016

©noventum 2016

Die Auswahl, Zusammenstellung und Chronologie der Keynote Themen war gelungen, ich konnte gut auf den Inhalten von Stephanie aufbauen. Schließlich führt die Demokratisierung der Arbeit, wie immer wieder behauptet wird, eben nicht zu längeren Entscheidungswegen, sondern hat vielmehr eine höhere Agilität zur Folge – wenn die Einbindung und Ermächtigung der Mitarbeiter gekonnt umgesetzt wird. Und auch bei diesen Veränderungsprozessen geht es in erster Linie um eine Veränderung der inneren Haltung: Weg von starren Hierarchien (formal-fixiert) hin zu einer dynamischen Führung. Das setzt voraus, dass man und frau nicht nur in Führung gehen, sondern auch wieder zurückkehren und sich von später von anderen führen lassen; dass Einwände von anderen als wertvolle Hinweise verstanden werden anstatt sie als Blockade oder Querschießen abzutun; dass heterogene Gruppen im allgemeinen zu intelligenteren Lösungen kommen können, als das einsame Genie – um nur einige zu nennen.

Matthias Horx rief dann zum Abschluss zum Zukunftsoptimismus auf. Er stellte klar, dass die Welt, der wir begegnen immer auch davon abhängt, wie wir sie wahrnehmen. Gehen wir optimistisch in die Zukunft oder sind wir zerfressen von Pessimismus? Allerdings – und das freute mich sehr – war dies kein plumper Aufruf zu positivem Denken, dass alle Skepsis beiseite lässt. Horx erläuterte kurz die wissenschaftlichen Ergebnisse zu einer ausgewogenen Haltung: Zweidrittel Optimismus gepaart mit einem Drittel Pessimismus führen zu den besten Ergebnissen. Denn ansonsten verlieren wir uns in dümmlichen Selbstüberschätzungen. Anhand eines kurzen öffentlichen Quiz zeigte Horx: Wir schätzen die Wirklichkeit oft viel zu pessimistisch ein, was vor allem den Medien und ihrer nicht enden wollenden Gier nach Katastrophen-Nachrichten geschuldet ist. Da es aber nicht ratsam ist, in totalen Optimismus zu verfallen, lautete die Empfehlung von Horx: Possibilismus – in Möglichkeiten denken.

Workshops und Ausklang

© noventum 2016

Die Location des BUF, © noventum 2016

Nach dem Abendessen ging es dann in drei verschiedene, parallel laufende Workshops zu den Keynote Themen. Auf meine Anregung hin führte ich meinen Workshop gemeinsam mit Sven Franke aus dem Augenhöhe-Team durch. Es war eine gelungene Improvisation: Ohne Absprache im Vorfeld ergab sich eine ebenso angeregte wie inspirierende Arbeitsatmosphäre, in denen die TeilnehmerInnen mit großem Engagement dabei waren. Sven ergänzte hie und da mit kurzen Video-Inputs aus dem Film Augenhöhe Wege, die meine Keynote um weitere Facetten bereicherte. Erfreulich war dabei insbesondere, dass es nicht beim bloßen Reden über das Thema blieb, sondern dass die Teilnehmer Fragen, Probleme und Erfahrungen aus der eigenen täglichen Arbeit einbrachten, so dass wir anhand dieser konkreten Fälle tiefer ins Thema eintauchen konnten.

Zum Abschluss ging es dann in die Bar des Factory Hotels, das für die Veranstaltung insgesamt einen angenehmen Rahmen bildete. Erwartungsgemäß kam es dort zu angeregten Gesprächen mit und zwischen den TeilnehmerInnen, die die Impulse der Keynotes und Workshops offen aufgenommen hatten. Insgesamt zeigte sich ein zukunftsoptimistischer Possibilismus. Wir erörterten in verschiedenen Gesprächen was möglich ist, und was es braucht, um die Zukunft der Arbeit erfolgreich zu gestalten. Eine, wie ich finde, rundum gelungene Veranstaltung, zu der ich einen kleinen Beitrag leisten durfte.

Herzliche Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: noventum consulting gmbh
  • Stephanie Borgert: Andreas Zeuch
  • Andreas Zeuch: noventum consulting gmbh

 

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