Good Enfants Terribles Tag – Rückblick und der Wert von Fragen

Am 08. Dezember fand mal wieder einer der Good Enfant Terribles Tage in Berlin statt. Diesmal mit dem thematischen Schwerpunkt auf Intuition. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, nachdem ich mich mindestens 10 Jahre selbst mit Professioneller Intuition intensiv befasst hatte, inklusive meiner Dissertation zum Training professioneller Intuition und meinem vorletzten Buch „Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen„. Also, ab dafür und auf zum #GETT18_2 (mein Hashtag für diesen Tag bei Twitter).

Der Rückblick

Der Tag fand wieder mal in den gewohnt angenehmen Räumen des Michelberger Hotels statt, dekadente sechs Radminuten von meiner Wohnung entfernt. Nach dem Come together und der Begrüßung durch Gerhild Vollherbst und Bianca Bischof, die im Teamwork ebenso entspannt wie souverän durch den Tag führten, gestaltete Martin Ciesielski den ersten Programmpunkt: Das Intro.

Martin Ciesielski bereitet die Fragenübung zu Beginn vor

Alle Teilnehmenden sollten eine Frage rund ums Thema Neue Arbeit aufschreiben. Als dann Musik erklang, liefen wir im Pulk durch den Raum und hatten die Aufgabe, unsere Fragekarten anderen Teilnehmer*innen zu geben, bis die Musik verstummte. Dann suchten sich alle eine(n) Partner*in und diskutierten kurz die Fragen, die sie nun in den Händen hielten. Dieser Ablauf wiederholte sich noch mehrere Male, bis jede(r) verschiedene Fragen mit verschiedenen Partner*innen zum Einstieg gedanklich ventiliert hatte. Ein rundum gelungener Beginn – und eine Übung, die den Wert von Fragen auf frische Weise verdeutlichte. Alle Fragen der Teilnehmenden findest Du zur Inspiration weiter unten.

Nach einer kurzen Pause ging es dann zum Impuls über Intuition als „Enfant Terrible der Denkprozesse“. Dr. Francesca Mega und Eva Bakardjiev beleuchteten Intuition als wichtiges Element von Denk- und Entscheidungsprozessen in einem gelungenen Mix aus Vortrag und Input einerseits und kleinen erlebnispädagogischen Elementen andererseits. Es war insbesondere für mich erfreulich, dass Intuition gerade im Kontext agiler (Neuer) Arbeit auch von anderen kompetent beleuchtet und in die Arbeitswelt getragen wird. Aus meiner Sicht ist Intuition eine sogar zwingende Komponente, wenn wir gelungen agil arbeiten wollen, wie ich in meinem Beitrag hier im Blog bereits ausführte (Keine Agilität ohne Intuition).

Dr. Francesca Mega und Eva Bakardjiev

Der nächste Programmpunkt nach dem Mittagessen war das wohl feste Ritual des Walk to talk beim Good Enfants Terribles Tag. Für mich insofern amüsant, da ich vor vielen Jahren mit meinen Kollegen Gebhard Borck und Markus Stegfellner schon das Format des Walk to talk entwickelt und genutzt hatte. Damals führte der Versprecher Walk to talk statt Walk THE talk zu der kleinen, bescheidenen Methodenentwicklung. Der genau Ablauf bestand darin, dass sich je zwei Partner finden und gehend miteinander zu einer thematisch passenden Frage reden und schweigen: Was würde es verändern, wenn es keine richtige oder falsche Entscheidungen gäbe? Erst reflektiert der erste Partner sieben Minuten, dann geht man/frau zwei Minuten schweigend miteinander, dann ist die andere Partnerin dran, sieben Minuten zu reflektieren, wieder folgen zwei Schweigeminuten und zum Schluss reflektiert das Paar gemeinsam sieben Minuten lang. Mir fiel dabei auf, dass das gemeinsame Gehen einen viel leichteren Zugang zum gemeinsamen Schweigen eröffnet, als wenn man zusammen irgendwo sitzt, eventuell noch gegenüber. Es wäre wohl sinnvoll, den Wert des Schweigens in einem eigenen Beitrag zu reflektieren. Im üblichen Schnell-Schnell, insbesondere in einer beschleunigten agilen Arbeitswelt, wird Schweigen schnell als ineffizient und unproduktiv abgetan. Ein fundamentaler Fehler, wie ich meine. Aber das ist eine andere Geschichte…

Martin Ciesielski rundete den Themenblock um Intuition mit einem theatrical recording ab: Alle bekamen ein Post-it und sollten intuitiv (!) spontan einen Begriff aufschreiben, was sie vom Tag mitnehmen. Diese Begriffssammlung bildete die Grundlage für das von Martin improvisierte theatrical recording nach einem kurzen Saxophonsolo von Steve Schofield, der damit eine schöne Atmosphäre kreierte. Ich kann Martin mit diesem frech-frischen Format einer Zusammenfassung nur allen Veranstaltern empfehlen. Er schloss auch die erste priomy (Un)Konferenz Neue Konzepte für Neue Arbeit #NKNA18 (hier gibt’s einen Rückblick) und bereicherte damit auch unsere Veranstaltung in diesem Sommer.

Wie üblich beim Good Enfants Terribles Tag folgte noch ein Überraschungsgast, beziehungsweise zwei weibliche Gäste (nein, „Gästinnen“ zu schreiben, bin ich nicht gewillt!), die von Ihrem Projekt die Zukunftsbauer berichteten: Wie bereitet man junge Menschen auf die zunehmend dynamischen und komplexen Arbeitswelten unserer Zukunft vor? Das Team der Zukunftsbauer ist überzeugt, dass „junge Menschen … zu Entrepreneuren ihrer eigenen Zukunft werden (müssen). Neben einer positiven Haltung gegenüber Wandel und Komplexität sowie gegenüber einem lebenslangen Lernen, ist hierfür vor allem das Bewusstsein für die eigene Selbstwirksamkeit und Gestaltungskraft zentral.“ Da ist was dran – und wer das interessant und förderungswürdig findet, kann auf der Website tiefer einsteigen.

Der Wert von Fragen

Es sind nicht so sehr die Antworten, die die Welt verändern, zum Guten wie zum Schlechten. Es sind vielmehr die richtigen Fragen, die einen Denk- und Forschungsraum (im allerweitesten Sinne, nicht reduziert auf streng wissenschaftliche Arbeit) öffnen. Erst durch diese Fragen kommen wir auf wichtige Antworten. Deshalb formulierte ich schon in meinem vorletzten Buch „Feel it!“:

Jede gute Antwort ist das Ergebnis einer noch besseren Frage. Zeuch, A.(2010): 76

Da nicht nur ich, sondern auch noch andere, vermutlich deutlich klügere Menschen, den Wert von Fragen schon lange erkannt haben, hatte ich die Idee, die Fragen vom Beginn der Veranstaltung hier zu veröffentlichen. Vielleicht bringen sie ja die eine oder den anderen von Euch Leser*innen auf neue, spannende Pfade. Ich habe mir erlaubt, zu versuchen, die Fragen nicht völlig wirr irgendwie nacheinander wiederzugeben, sondern sie grob zu clustern. Dies stellt alleine meine beschränkte Sichtweise dar – wenn Du die Zuordnung nicht sinnvoll findest, vergiss einfach die jeweilige Kategorie. Keine Zweifel: Die Fragen ließen sich auch anders genauso gut oder wahrscheinlich besser clustern…

(Gute) Arbeit im Allgemeinen

Menschen im Kontext New Work

  • Und ganz fundamental: Warum tun Menschen, was sie tun (einschließlich ich selber)
  • Wer sind diese Menschen, die sich für New Work interessieren?
  • Ab wann merke ich, dass ich gut und neu arbeite?
  • Wie breche ich meine „old work“ Muster auf, damit „new work“ möglich wird?

Neue Arbeit im Kontext Organisationsentwicklung und Transformation

  • Was sind Verhinderer von gutem, neuem Arbeiten, bzw. was braucht es, damit dieses gelingen kann?
  • Wie schaffe ich es tatsächlich, in die aktuellen Unternehmensstrukturen Selbstverantwortung und Respekt zu implementieren?
  • Wer ist verantwortlich für gutes neues Arbeiten (= wo liegen die Verantwortlichkeiten)?
  • Von der Motivation zum Durchhalten unter Druck – wie die Balance halten?
  • Manches „alte Arbeiten“ ist toll: Was wollen wir „retten“ und was lohnt sich Neues zu wagen?
  • Wie kann ich „Alten Arbeitern“ die Angst nehmen vor der New-Work-Bewegung (vor allem: alten Chefs)?
  • Wie nehme ich meinen Kunden die Ängste/Vorbehalte gegen New Work?
  • Wie setzen wir gut eine Veränderungsenergie frei, die alte Muster durchbrechen kann?
  • Ich habe die Chance, die Unternehmenskultur von Grund auf mitzugestalten, womit fange ich an?

Neue Arbeit in Kombination mit anderen Themen

  • Wie kombiniere ich gutes Neues Arbeiten mit Nachhaltigkeit + Fair Trade/Work + Zero Waste?
  • Wie könnte sich New Work auf klassische Vergütungsmodelle (Gehalt, Bonus…) auswirken?
  • Wie kann gutes neues Arbeiten im Ehrenamt/Verein gelebt werden?

New Work als Bewegung

  • Wie kann ich New Work in die Welt tragen?
  • Wie schaffen wir es, dass New Work nicht als bloße Modeerscheinung versandet (meine bescheidene Frage)

Vermischtes

  • Was hat Ausruhen mit gutem neuen Arbeiten zu tun?
  • Ab wann ist die Einladung/Aufforderung zum Fühlen und zur Selbsterkenntnis/-reflexion übergriffig, ein Eingriff in die Privatsphäre?
  • Was ist das Besondere an diesem* guten Arbeiten (*Les Enfants Terribles)

 

Meinen herzlichen Dank an das Team von Les Enfants Terribles, Marion King, Bianca Bischof und Gerhild Vollherbst für das gelungene Format und das Halten des Raumes, in dem wieder wertvolle Begegnungen und Gespräche entstehen konnten. Und natürlich mein Dank an alle engagierten Teilnehmer*innen, die mir offen begegnet sind. Auf bald!

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Literatur

 

Bildnachweis

  • Alle Fotos: © Andreas Zeuch, 2018
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