Organisationsrebellen. Sinnentleertes New Work Wording.

+++ Achtung für sensible Gemüter oder intellektuell anspruchsvolle Zeitgenossen: Dies ist eine Burleske +++

Organisationsrebellen: Die Zukunft der Arbeit reitet auf einem schwarzen Schimmel blitzschnell langsam um runde Ecken. Du hast keine Ahnung, was ich meine? Klar, wie auch. Also zurück auf Los: Neulich flatterte mir eine Mail auf mein Endgerät. Der Inhalt machte mich gleich in doppelter Weise ratlos. Einerseits, weil mir nicht klar war, was die Absenderin eigentlich von mir, bzw. den Adressierten wollte, denn ich war nicht persönlich angesprochen sondern offensichtlich einer von Dutzenden oder Hunderten im Rahmen eines Massenmailings. Aber sei’s drum, nach einer zweiten Leserunde war dann klar: Ich wurde eingeladen, an einer Blogparade über Organisationsrebellen teilzunehmen. Das nehme ich dankbar an – denn Organisationsrebellen oder Evangelisten elektrisieren mich schon seitdem sie mir das erste Mal über den Weg gelaufen sind. Warum? Beide sind ein waschechtes Oxymoron. Womit wir beim ersten Satz meines Teasers wären.

Ich nehm einfach mal ungefragt alle Ernst, die sich selbst als Was-auch-immer-Evangelisten vermarkten oder die tatsächlich glauben, dass Organisationen Rebellen brauchen. Das beginnt damit, dass wir uns gemeinsam im ersten Schritt die Bedeutung beider Worte kurz ins Gedächtnis rufen.

  • Die vier Evangelisten – da sprüht die New Work Energie aus jedem Pinselstrich!

    Evangelist: Dabei handelt es sich, gewissermaßen als Ausgangsposition, um die vier Verfasser der neutestamentlichen Evangelien. Das waren kurzum die Herren, die einen guten Teil der BIBEL geschrieben hatten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das ist das dicke Buch, das einen gewissen Zusammenhang zur Hierarchie, der heiligen Rangordnung hat. Alternativ sind die Evangelisten Prediger im Rahmen einer Evangelisation. Es geht, etwas vereinfacht gesagt, also um eine Missionierung und Bekehrung. Oder es handelt sich um einen Sänger im Oratorium, der die neutestamentlichen Erzählpassagen zum Besten gibt. So oder so: Der Evangelist ist in jeder Form ein Mensch, der oder die das Evangelium verkündet. Was in der griechischen Sprachwurzel εὐαγγέλιον eu-angelion verkürzt die gute Nachricht oder Siegesbotschaft bedeutet und in unseren Breitengraden mit der christlichen Bedeutungsgebung einhergeht.

  • Rebell: Ein Aufständischer (sic!), der entweder Teil eines Aufstandes ist oder diesen sogar selber angezettelt hat. Wir reden also nicht über jemanden, der oder die sich einfach nur ein bisschen konstruktiv-kritisch gegenüber sinnfreien Organisationsregeln äußert; oder eine fragwürdige CSR Kampagne hinterfragt; oder allen Ernstes ein Formular zur Reiseabrechnung nicht korrekt ausfüllt. Nein. Die Rebellin akzeptiert die althergebrachte (heilige) Rangordnung nicht mehr. Sie kämpft mit allen möglichen Mitteln dafür, die aktuellen Throninhaber von selbigem zu vertreiben. Es gilt, die bestehenden Machtverhältnisse umzustürzen. Typischerweise hat das seinen Preis, Blut fließt und die Liste der Kollateralschäden ist oftmals nicht gerade unerheblich.

Was also können wir von einem Organisationsrebellen erwarten? Oder anders gefragt: Wie können wir uns diese wirklich vollkommen durchdachte Metapher konkret vorstellen? Vielleicht so:

Batman kurz vor seiner Bewerbung zum Organisationsrebellen.

Batman bewirbt sich in der Stadtverwaltung von Gotham City. Er will jetzt aufhören, in diesem albernen Fledermauskostüm durch die Nacht zu rennen, springen, rasen. Es wird Zeit, mit den Kinderspielchen aufzuhören und erwachsen zu werden. Er hat gehört, dass Organisationsrebellen der neueste Schrei sind. Sie heuern in denjenigen Organisationen an, die sie aufmischen und radikal verändern wollen. Was läge also näher, als sich in der Verwaltung des Sündenpfuhls anstellen zu lassen, um den verdammten korrupten Laden von innen heraus zu pulverisieren – Entschuldigung: transformieren.

Also ab dafür: Als erstes muss sich Batman des lästigen Kostüms entledigen, denn in der Garderobe wird es mit dem heimlichen, rebellenmäßigen Unterwandern der feindlichen Linien eher schwierig. Also ab in die StiNo-Klamotten, noch schnell nen schön artigen Seitenscheitel geföhnt und dann zur Bewerbung bei der Gotham Stadtverwaltung. Denn – echt wahr – die hatten bei Stopsteene, dem ultimaten Jobbörsen Marktführer mit gigantischer Reichweite bis in die hintersten Winkel der Republik, eine Anzeige geschaltet, in der sie einen Organisationsrebellen gesucht haben. Schließlich las der amtierende Bürgermeister in dritter Generation, Alfons Fritze (ja, in Wirklichkeit hieß er so, und hatte keinen bösartig klingenden englischen Namen!), dass es für Nju Wörk total hilfreich wäre, einen waschechten Rebellen einzustellen.

Halt! Mit dem braven Allerweltsmitarbeiterlook wird das nix. Die suchen ja, fiel Batman im letzten Moment siedendheiß ein, gerade bevor er sein Domizil verlassen und die schwere Eichentür hinter sich zuschlagen wollte, einen REBELLEN. Gottverdammmich! Also schnell zurück in den ersten Stock ins Masterbad, eine gehörige Portion American Crew Pomade in die Haare und selbige ordentlich verstrubbeln. Dann noch schnell die coole, odsteure, zerrissene megastonewashed Jeans aus dem Schrank, dazu die Caterpillars mit Gusseisensohle und ein dreist erotisches, hauteng anliegendes Shirt. Letzter Blick in den Spiegel: Yep, das passt eher. → ¡Rebellenlook! ←

Die 23 Km bis zum Haupteingang des potentiellen Arbeitgebers legte Batman auf seinem neuen, schweinegeilen Kickboard zurück, in das er morgens mit einem Vorschlaghammer extra noch ein paar rebellenmäßige Dellen gedengelt hatte. Als er ankam, hatte er standesgemäße Schweißflecken (es war August), das Shirt klebte auf seinem Torso und war verstörend transparent, schon eine Rebellion an sich. Batman schwang das Kickboard auf seine Schultern und entblößte dabei vor dem völlig angepassten Pförtner kurz seinen Sixpack: „Ich bin zum Einstellungsgespräch für den Organisationsrebellen da!“ dröhnte seine mächtige Stimme durch die altvordere Rathaushalle.

Eine Stunde zuvor, oberster Stock im Rathaus. Alfons Fritze ist genervt: „Jetzt warten wir seit anderthalb Stunden auf den ersten Bewerber! Was soll der verdammte Scheiß? Ich erwarte Pünktlichkeit von meinen Untergebenen. Wer ist diese dämliche Idiot, der hier als Organisationsrebell anfangen soll? Hat der Kerl nicht die primitivsten Regeln der Zusammenarbeit gelernt?“ Personalleiterin Susanne Müller-Lüdenscheid, vor kurzem von Bielefeld nach Gotham City umgezogen,  geht vorsichtshalber unter der Tischkante in Deckung. Bei dem Gebrüll und den geschwollenen Halsschlagadern ist eine fiese Explosion seines Schädels nicht das Unwahrscheinlichste, was an diesem Tag passieren könnte. Von dort unten murmelt sie nur kurz mit nobler Zurückhaltung: „Vielleicht, Chef, ist das ja schon Teil seines Rebellentums?“ „Ist mir egal, das soll er mit den verknöcherten Idioten aus der Lähmschicht machen, aber nicht mit mir.“

Gerade als Müller-Lüdenscheid drohte, schwarz vor Augen zu werden, flog die Tür aus den Angeln und Batman stand in seiner Organisationsrebellenmontur lässig da, ging zu Alfons Fritze, schlug ihm jovial auf die Schultern und raunte mit diabolischer Stimme: „Da bin ich. Und jetzt raus hier, ich übernehme.“ Fritzes Unterkiefer klappte unappetitlich weit auf, seine belegte Zunge hing leicht belämmert aus seinem rechten Mundwinkel, während er fassungslos auf diesen unwirklichen Götterkörper glotzte. „Hast Du irgendwas in den Ohren, oder warum sitzt Du noch immer hier rum?“ Aber Fritze wäre nie der Bürgermeister von Gotham geworden, wenn er nicht auch unter dem größten Druck und in widrigsten Situationen schnell seine Fassung wiedergewonnen hätte. So auch jetzt. Die Zunge schlabberte subkortikal gesteuert zurück gen Zäpfchen, und eine gewaltige Schalldruckwelle baute sich in seiner Kehle auf: „HAT DIR IRGENDJEMAND IN DEIN VERDAMMTES HIRN GESCHI****? DU SOLLST UNSERE RENITENTEN FÜHRUNGSPENNER AUF VORDERMANN BRINGEN UND DENEN DEREN ALTE GLAUBENSSÄTZE AUS DER GROßHIRNRINDE PRÜGELN UND DURCH EIN AGILE MINDSET ERSETZEN DAS DU DENEN AM BESTEN EINFACH PER BEFEHL HOCHLÄDST OHNE LANGE FAXEN!! KAPIERT DU DÄMLICHER TESTOSTERONBOMBER??“ Tja, damit hatte unser Rebell nicht gerechnet, jetzt musste er sich seinerseits ein wenig sortieren.

In der Zwischenzeit, um Batman erst gar nicht seine Mitte wieder finden zu lassen, schob Alfons lässig hinterher: „Hier ist deine Rebellen-Prozessanweisung! Ich hoffe du animalisches Etwas kannst lesen, das ist aus deinen Bewerbungsunterlagen nicht eindeutig hervorgegangen.“ Batmans linker Bizeps spannte sich überrascht unter dem Gewicht der Anweisung und er stierte recht entgeistert auf das bürokratisch verstaubte Cover. Aber unser Organisationsrebell ist bekanntermaßen auch nicht gerade auf den Kopf oder Mund gefallen. Er nahm das Prozesshandbuch und schleuderte es mit perfektem Spin als Frisbee durch das hallengleiche Büro, wo es am Ende die doppelte Panzerverglasung wie ein verstaubtes Knäckebrot durchschlug. „Die Rebellion hat begonnen“, sprach’s, drehte sich mit einer eleganten Pirouette um, und stapfte aus dem Büro.

Am Abend, während ihres Heimwegs, wunderte sich Müller-Lüdenscheid über die Idee der Organisationsrebellen nach diesem irgendwie skurrilen Bewerbungsgespräch:

  • Wenn es Organisationsrebellen zur Veränderung braucht, sind das Topmanagement und/oder andere Führungskräfte nicht bereit, die Gestaltungsmacht neu zu verteilen. Warum sollten sie dann Organisationsrebellen einstellen oder weiter beschäftigen?
  • Wenn sie die Rebellen akzeptieren, sind sie bereit, auch radikale Kritik zu reflektieren. Dann braucht es keine Rebellen.
  • Wenn Angestellte erst im Laufe der Zeit zu Organisationsrebellen werden, liegt die Vermutung nahe, dass irgendwann irgendein Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die Umstände müssen sich also verschlechtert haben. Warum sollten dann die entsprechenden Personenkreise die Rebellen tolerieren und nicht rausschmeißen?
  • Wenn Rebellen grundlegende Spielregeln akzeptieren, rebellieren sie nicht. Wenn sie sie brechen, werden sie abgemahnt und irgendwann gefeuert.
  • Warum sollten sich Organisationsrebellen überhaupt in sinnentleerte, konservative Organisationen begeben oder dort bleiben? Warum sollten sie nicht gleich – viel mehr Rebellion – ein Startup gründen und mit einer disruptiven Innovation zum Game Changer werden und den verhassten Konzernen das Wasser abgraben?
  • Warum sollten sich Organisationsrebellen in eine Organisation begeben, deren Werte, Kultur und Struktur sie nicht akzeptieren, so dass sie sie bekämpfen müssen? Würden sie dort einen Arbeitsvertrag unterschreiben, würden sie ihre eigenen Werte verraten.

Alles in allem wunderte sich Müller-Lüdenscheid doch sehr. Wer auch immer diesen Begriff in die Welt gesetzt hat, muss wohl ganz gerne mal Fünfe grade sein lassen. So richtig schlüssig ist das alles nicht. Aber, und das musste sie zugeben, wenn auch nur sehr widerwillig: Dieser Rebell, der da heute aufschlug, bringt irgendwie frischen Wind ins Haus. Ihre Fragen und Zweifel aber blieben unbeantwortet.

 

Rebellische Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: Screenshot Google Suche „Rebellen“
  • Evangelisten: Jacob Jordaens, gemeinfrei
  • Batman: Syed Abdul Khaliq, CC BY 2.0
14 Kommentare
  1. André Claaßen
    André Claaßen sagte:

    Hi, ich wende mich mal an die gute Frau Müller-Lüdenscheid (ich vermisse den Loriot sehr). Zu meinem Hintergrund: ich bin kein Organisationsrebell aber ich mag den Begriff sehr :-).

    Ganz kurz:

    a) Top-Management ist nicht zur Veränderung bereit
    Erfolge überzeugen. Es gibt Beispiele von starrsinnigen Unternehmenslenkern (Steve Jobs war einer davon), bei denen eine erfolgreiche Lösung zu einem Umdenken führte.

    b) Top-Management ist reflektiert.
    Ich meine Orga-Rebellen sind dennoch notwendig. Einer muss ja mal die Provokation anstoßen. Reflektiert allein reicht nicht. Barack Obama war auch reflektiert, aber auch er brauchte teilweise harte Impulse, damit sich Dinge ändern.

    c) Orgarebellen entstehen, wenn Unternehmen im Desaster ist.
    Wenn Unternehmensführung im Dilemma einfach Kurs hält, ist die Gefahr des Rausschmeißens groß. Sehe ich auch so. Aber das sinkende Schiff sollte dann auch verlassen werden. Gefeuert zu werden darf keine Schande sein.

    d) Wenn Rebellen Spielregeln akzeptieren, rebellieren sie nicht, ansonsten werden sie gefeuert.
    Ist mir zu Schwarzweiß. Die hohe Kunst der erfolgreichen Arbeit in Unternehmen besteht auch darin, aktiv an Führung und Spielregeln zu arbeiten. Es gibt eine Welt „dazwischen“.

    e) Warum sollten sich Rebellen in sinnlose Unternehmen begeben?
    Machen Sie nicht. Da stimme ich auch zu.

    f) Warum sollten Rebellen in sinnlosen Organisationen bleiben?
    Weil Sie vom Grundsatz her die Organisation und nicht die Unternehmung in Frage stellen. Extremes Beispiel öffentlicher Dienst. Es ist eine gute Sache, im öffentlichen Dienst zu sein. Nicht wegen der Sicherheit, sondern weil im Weitesten Sinne die Arbeit einem Gemeinwohl dient. Beispiel Jugendarbeit. Dennoch ist Rebellion sinnvoll und wichtig, um diese sinnvolle Arbeit auch sinnvoll auszugestalten.

    P.S: Meine Webseite ist eine Baustelle 🙂

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  2. Tobias Leisgang
    Tobias Leisgang sagte:

    Geiler Beitrag! Made my day. Das schreit ja geradezu nach Fortsetzung. Wie wäre es mit „Der Joker kümmert sich um die Digitalisierung“ oder „Robin in seiner neuen Rolle als Feelgood-Manager“ 😉

    Antworten
    • Dr. Andreas Zeuch
      Dr. Andreas Zeuch sagte:

      Lieber Tobias – danke für die Blumen, freut mich! Das mit dem Joker oder Robin als Feelgood Manager finde ich ne coole Idee… Schreib Du doch was drüber und wir verlinken unsere Beiträge…

      Antworten
    • Dr. Andreas Zeuch
      Dr. Andreas Zeuch sagte:

      Hm, tut mir leid Gregor – aber du muss meiner Argumentation ja nicht folgen. Man/Frau kann sich (und andere) ja einfach weiter Organisationsrebellen nennen. Siehe zB den Kommentar von Conny unten, dem es laut eigener Aussage einfach „vollkommen egal“ ist, wie sich so jemand nennt.

      ich finde Deinen Post auf eine gewisse Weise sehr spannend und gelungen! Warum? Weil Du die Sehnsucht sichtbar machst, die in der Star Wars Mythologie und jeglichen RebellenHELDEN stecken. Das ist natürlich in einer a) häufig recht sinnentleerten Welt und b) einer reichlich domestizierten westlichen Welt eine Riesen Verlockung. Da ist man auf einmal wieder wer – ein echter OrganisationsREBELL – und nicht einfach nur irgend ein MA oder irgend eine FK, von der es hunderte, tausende gibt.

      Du schreibst:
      „Das primäre Ziel der Rebellen ist es daher, diesen Todesstern zu vernichten. Die dunkle Seite der Macht muss erschüttert werden. Es geht um nichts Weniger als darum zu verhindern, dass die gesamte Galaxie gleichgeschaltet und von einigen wenigen Mächtigen befehligt, gesteuert und und bis zur Selbstausbeutung kontrolliert wird.“

      Aus diesen Zeilen wird eben das sichtbar, warum ich vor allem die Rebellen-Selbstinszenierungen lächerlich finde: Keiner von den ganzen großen Rebellen wird zum CEO latschen oder in Kampfmontur die Türen dahin eintreten (eben so wie Batman…)., um dann die dunkle Seite der Macht auszulöschen. Was werden diese Menschen, die sich als Rebellen bezeichnen, tun? Sie kommunizieren, sie reden sich einen Wolf, sie werden das eine oder andere U-Boot Projekt durchführen (weil sie der Anleitung von Herrn Dueck folgen) – aber sie werden wohl kaum den amtierenden Vorstand attackieren und absetzen. Alleine die Vorstellung ist vollkommen absurd. Ich glaube kaum, dass ich das weiter erläutern oder belegen muss.

      Nun gut. Ein Hoch auf die sprachliche Beliebigkeit. Wer einfach nur den Mut hat, nicht alles sofort abzunicken, sondern zu hinterfragen, der möge sich fortan als Organisationsrebell fühlen. Vielleicht holt er oder sie sich ja die Kraft dazu in abendlichen Lichtschwerttraining.

      Ansonsten für alle, die mich nicht besonders gut kennen. ich war vor meiner Freiberuflichkeit auch angestellt. und habe dort regelmäßig kritisiert, hinterfragt, Verbesserungsvorschläge gemacht. Irgendwann war ich es leid, der Prophet im eigenen Land zu sein. und bin in die Freiberuflichkeit. Im übrigen hatte ich immer selbst gekündigt. Weil ich keine Angst davor hatte. Aber als Rebell hatte ich mich nie gefühlt.

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  3. Conny Dethloff
    Conny Dethloff sagte:

    Moin Moin Andreas,

    hmmm, in letzter Zeit lese ich einige Beiträge im Netz, in denen der „Rebell im Unternehmenskontext“ durch den Kakao gezogen wird. Warum nur? Ich verstehe das nicht ganz. Geht es hier um den Begriff an sich oder um die Menschen, denen dieser Titel angedichtet wird? Oder um etwas ganz anderes?

    Auf zwei Themen, die Du angerissen hast, möchte ich kurz eingehen.

    Als erstes geht es um das grundsätzliche Einreißen von Strukturen. Strukturen an sich sind weder gut noch schlecht. Es kommt auf die Passfähigkeit dieser für Wertgenerierung an. Es geht also darum, die für Wertgenerierung nicht mehr passfähigen Strukturen in den Unternehmen offen zu legen und dann ggf. abzuschaffen oder zu ändern. Die passfähigen Strukturen sollten und müssen sogar bestehen bleiben. Denn ohne Struktur herrscht Chaos, was dazu führt, dass den Menschen etwas Vergemeinschaftetes fehlt, um gemeinsam Wert zu generieren und zu schöpfen. Und glaube mir. Alleine das Hinterfragen bestehender Strukturen bedarf ganz viel Mut. Ob diese Menschen nun als Rebell bezeichnet werden oder nicht, ist mir vollkommen egal. Denn darum geht es nicht.

    Nun komme ich zum zweiten Punkt. Warum arbeiten diese Menschen, die am Wandel wirken, überhaupt noch in diesen Unternehmen, die gewandelt werden sollen? Unternehmen sind operational geschlossene Systeme. Das heißt, Wandel geht ausschließlich von innen. Von außen können Impulse gesetzt werden. Im Unternehmen wird aber entschieden, was mit diesen Impulsen geschieht, ob sie beispielsweise zu Irritationen führen oder eben verpuffen. Möchte man also helfen, große historisch gewachsene Unternehmen zu transformieren, muss man Teil dieses Unternehmens sein.

    BG, Conny

    Antworten
    • Dr. Andreas Zeuch
      Dr. Andreas Zeuch sagte:

      Hi Conny,

      danke für den Kommentar. Könntest Du hier noch die anderen ironischen Beiträge über Organisationsrebellen als Links posten? Ich kenne keinen, was natürlich. nichts heißt. Wäre sehr interessiert, noch andere kritische Beiträge zu lesen.

      Was du über die Strukturen schreibst – da läufst du offene Türen bei mir ein. hatte ich da was Gegenteiliges in meinem Post geschrieben? Verstehe grade nicht, warum du das ausführst. Bin da voll bei Dir. Auch dass es oft Mut erfordert, bestehende Strukturen (und Kulturen) in Frage zu stellen. Absolut.

      Noch mehr aber wundert mich, dass es Dir „vollkommen egal“ ist, ob sich Menschen, die den Mut haben, bestehende Strukturen zu hinterfragen, Rebellen nennen oder nicht. Warum wundert mich das? Nach unserem Dialog über die Bedeutung von Sprache:

      https://www.unternehmensdemokraten.de/unternehmensdemokratie-und-der-umgang-mit-sprache/
      https://www.unternehmensdemokraten.de/unternehmensdemokratie-und-sprache-teil-2/

      Conny – ganz ehrlich: Jeder kann sich Evangelist oder Organisationsrebell nennen. Für mich ist das aber schlicht albern. und eben, wie erläutert ein Oxymoron. Warum das nicht so sein soll, hat bisher keiner erklärt. nur dass es eben Menschen brauche, die den Mut aufbringen, bestehendes zu hinterfragen. Yo. Stimmt. Dann kann man sich als Rebell inszenieren. Für mich sagt das aber sehr wohl auch etwas über die Menschen aus, die sich solchermaßen inszenieren.

      Und für mich ist es nicht vollkommen egal wie wir mit Sprache umgehen. Sie ist eine extrem wichtige Brücke zwischen unseren je subjektiven Wahrnehmungen, Deutungen, Mentalen Modellen, Schlussfolgerungen… und wenn wir dann einfach völlig beliebig rumlabern, ohne jeglichen Bezug zur Etymologie eines Begriffs, dann ist das m.E. nicht im geringsten Hilfreich für eine gelungene Kommunikation.

      Zum zweiten Punkt: äh, ja. Diese systemtheoretische Sichtweise (ist ja auch nur ein Modell, btw) ist mir nicht nur geläufig, sondern ich bin auch hier wieder voll im Boot. Da es Dir vollkommen egal ist, wie sich jemand selbst nennt, der den von Dir erwähnten Mut zum Hinterfragen etc. aufbringt, kann der Organisationsrebell nicht nur widerspruchsfrei in dem sozialen System operieren, dass er verändern will, sondern diese Menschen müssen das sogar, damit sich das System von innen heraus wandeln kann. Kein Thema – wenn dir begriffliche Geschichte, kulturell übliche Konnotationen und sprachliche Präzision an der Stelle Wurscht sind, gibt es keinen Widerspruch. Dann kann ich Dir unter Deinen Prämissen nur voll zustimmen.

      Allerdings bestehe ich für mich weiter auf eben jene Präzision, einen bewussten Umgang mit Worten und Begriffen – und ein klein wenig Bescheidenheit und Demut anstelle reichlich übertriebener Selbstinszenierung.

      HGA

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