Soulworx Energizer Purpose #1

Soulworx Energizer: Purpose und Handlungsvielfalt

Nach unserem durchaus kontrovers diskutierten Dialog „Der Einfluss von Purpose auf die Handlungsvarianz von Organisationen“ wurden wir von Julia von Winterfeldt eingeladen, einen ihrer Soulworx Energizer mit diesem Thema zu bespielen. Karsten Schnelle von Otto und ich waren uns sofort einig: Das machen wir gerne. Und so trafen wir uns am 29.10. in Hamburg in den schönen Räumen von Soulworx mit rund 20 interessierten Teilnehmer*innen, um das Thema gemeinsam auf Augenhöhe zu diskutieren.

Hintergrund: Unser Purpose Dialog

Soulworx Energizer Purpose #2Am 07. Oktober veröffentlichten wir hier im Blog der Unternehmensdemokraten den ersten Teil unseres Dialogs über die möglicherweise negativen Folgen des aktuellen Purpose Hypes. Zwei Tage später folgte dann der zweite Teil im Corporate Blog von Otto. Erfreulicherweise wurde unsere gemeinsame Reflexion in Form dieses schriftlichen Dialogs vielfach gelesen, kommentiert und kritisiert. So kamen wir unserem Ziel näher: Einen lebendigen Diskurs, nicht nur zur Frage, ob Purpose die Varietät, also Handlungsvielfalt, von Organisationen einschränken könnte.

Natürlich ist das Thema Purpose viel umfassender. Es stellt sich bei einem solchen Buzzword überhaupt erst einmal die Frage, was wir darunter verstehen, schließlich gibt es nirgendwo eine amtliche Definition. Im nächsten Schritt versuchten wir in dem erwähnten, zweiteiligen Beitrag herauszuarbeiten, wozu eine Organisation überhaupt versuchen könnte, einen eigenen Purpose zu finden. Erst im dritten Schritt kamen wir dann zu der Frage, ob und inwiefern Purpose einen negativen Einfluss auf die Varietät haben könnte.

Soulworx Energizer: Das Setting

Soulworx Energizer Purpose #2Die Räume von Soulworx liegen im Herzen von Hamburg, in der Nähe der Zeit und gegenüber der Speicherstadt. Ein ebenso erhabenes wie passendes städtisches Ambiente, der ehrbare Kaufmann lässt grüßen. Wer dabei sein wollte, musste sich auf gesunde Weise engagieren, denn der Aufzug war kaputt und so blieb allen Teilnehmer*innen nichts anderes übrig, als bis in den fünften Stock zu gehen.

Im Soulworx Veranstaltungsraum kamen wir im wahrsten Sinne auf Augenhöhe zusammen, es gab natürlich kein Podium, keine Erhöhung für Julia, Karsten und mich. Wir saßen alle auf derselben Ebene und konnten so in einen gleichberechtigten Dialog einsteigen. Nach einer kurzen Anmoderation von Julia, gab es für alle erst einmal die Möglichkeit, sich während zwei Minuten Stille die eigene Intention für den Abend zu vergegenwärtigen. Ein toller Einstieg, um mit sich und dem Thema des Abends aus der Ruhe und Stille heraus in Verbindung zu kommen. Danach führte Julia ins Thema ein, erläuterte den Hintergrund (s.o.) und eröffnete die Diskussion.

Das Setting war von Anfang an dialogisch ausgerichtet, die Teilnehmer*innen kamen schnell mit Julia, Karsten und mir ins Gespräch, so dass es ein lautes Denken mit allen Anwesenden wurde. Jeder der oder die wollte, konnte sich zu Wort melden, eigene Überlegungen, Erfahrungen, Fragen, Zweifel und was auch immer einbringen. Die Runde startete um 19 Uhr und war auf 90 Minuten angesetzt, allerdings waren alle derart intensiv dabei, dass wir bis ca. 20:50 diskutierten und erst dann zum Ende kamen.

Soulworx Energizer: Purpose Dialog live

Soulworx Energizer Purpose #3Begriffsklärungen und Definitionen klingen zumeist nicht besonders aufregend. Dieser Schritt hat leider oft etwas von einer verstaubten akademischen Vorgehensweise. Glücklicherweise war das bei dieser Veranstaltung anders. Erstens teilten die Teilnehmer*innen die Notwendigkeit, dieses Buzzword überhaupt erst einmal zu definieren. Zweitens waren sie von Anfang an lebendig dabei und so wurde die Vielfalt des Begriffs und seiner möglichen Bedeutungshorizonte schon in den ersten Minuten des Gesprächs deutlich.

Die Definition, auf die Karsten und ich uns während unseres schriftlichen Dialogs einigen konnten, war für einige der Teilnehmer*innen ein guter Ausgangspunkt, während natürlich andere dies kritisch sahen. Erfreulicherweise konnten wir uns schnell in der gesamten Gruppe darauf einigen, dass wir uns nicht in einer Grundlagendiskussion verlieren wollen und uns auf unsere Begriffsbestimmung als Arbeitsdefinition einigen konnten. Eine schöne Weichenstellung in Richtung eines Dialogs, bei dem keine verhärteten, festgefahrenen Ansichten aufeinanderprallen und alles bis auf das letzt Jota ausdiskutiert werden muss.

Soulworx Energizer Purpose #4Im weiteren Verlauf wurde die Vielschichtigkeit des Begriffs deutlich. Kurz nach der Definition stellte ein Teilnehmer überhaupt erst einmal klar, dass die gesamte Diskussion ein privilegiertes Phänomen der Industrienationen in unserer jetzigen, ziemlich saturierten Situation ist. Purpose als mögliche wichtige Fragestellung wird in Entwicklungsländern wohl kaum thematisiert, ebenso wenig, wie in der Nachkriegszeit in Europa, als der Sinn der Arbeit offensichtlich war, wo alles in Trümmern lag. Heute ist das natürlich ganz anders. Da stellt sich – allgemein gesprochen – die Sinnfrage schon eher, wenn wir vollgestopfte Einkaufswagen an Regalmetern derselben Produktkategorien vorbeischieben.

Des Weiteren wurde zu Bedenken gegeben, Purpose auf der organisationalen und individuellen Ebene zu unterscheiden (Randnotiz: Der Teilnehmer, der das einbrachte, stellte sich als Google Mitarbeiter heraus, was amüsant war, da ich die Gefahr der Überidentifizierung mit dem Arbeitgeber genau wie im schriftlichen Dialog mit einem fiktiven Beispiel eines Google KI Mitarbeiters illustrierte. Glücklicherweise konnte der Mann bestens damit umgehen :-)). Dabei stellte sich auch gleich die Frage, wie eine Organisation überhaupt einen Purpose haben kann, denn das soziale System selbst hat schließlich kein Bewusstsein, sondern nur deren Akteure (dazu folgt übrigens hier im Blog der Unternehmensdemokraten ein weiteren Dialog mit Bodo Antonic, der den Purpose Begriff ziemlich kritisch betrachtet).

Der nächste Live Purpose Dialog: 04.11. in Hamburg. Zur Anmeldung einfach Screenshot anklicken.

So engagiert, wie der Abend begann, ging es durchgängig weiter. Bis wir gegen Ende feststellten, dass wir den Begriff gemeinsam so grundlegend diskutiert hatten, dass wir die eigentliche Fragestellung, ob Purpose die Varietät von Organisationen einschränkt, etwas aus dem Auge verloren hatten. So kamen Karsten und ich nur noch dazu, das Ergebnis unseres gemeinsamen schriftlichen Dialogs zu präsentieren, wann unter welchen Bedingungen Purpose eher nützlich ist, als die Varietät durch eine Überidentifikation mit dem Arbeitgeber zu reduzieren. Das wurde auch im lockeren Plausch nach der offiziellen Gesprächsrunde nochmals erwähnt – das es schade gewesen wäre, dass genau diese Frage leider etwas untergegangen ist. Korrekt. Wir werden versuchen, dass bei der nächsten Veranstaltung zum Thema am 04.11. wieder Hamburg besser hinzubekommen.

Mein Dank gilt allen Teilnehmer*innen, Julia von Winterfeldt und Petra Rietz von Soulworx, Karsten Schnelle von Otto und meinem geschätzten Kollegen Govinda Hiemer (Fotos). Ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung, diesmal ermöglicht durch Otto am 04.11.2019 in Hamburg (s. Screenshot rechts oben).

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild und alle anderen Bilder: ©Petra Rietz, Soulworx
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