Studie zu Mitbestimmung & Unternehmensdemokratie

Letztes Jahr gab mir Marc Stoffel, der gewählte CEO der Haufe-umantis AG, die Studie „Express-Umfrage zum Thema „Mitarbeiter und Mitentscheider“ (also Mitbestimmung) der Haufe-Lexware GmbH & Co. KG. An dieser Stelle möchte über die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung berichten. Denn sie weist einige spannende Ergebnisse auf und ergänzt die Studien, die ich in „Alle Macht für niemand“ im ersten Kapitel ausführlicher behandelt habe. 

Für diese Studie aus dem Jahr 2014 wurden immerhin 16.317 MitarbeiterInnen befragt, von denen 11.880 am Ende ausgewertet wurden. 40% der Befragten arbeitete in Unternehmen bis 99 Mitarbeiter, 30% in Organisationen bis 999 Mitarbeiter und 30% in Organisationen über 1000 Mitarbeiter. 23% waren Führungskräfte, die restlichen 77% waren Mitarbeiter ohne Leitungsfunktion. Die Verteilung bezüglich der Branchen war relativ gleichmäßig, Dienstleistung, Gesundheit, Industrie und öffentlicher Dienst lagen mit durchschnittlich rund 16% an der Spitze.

Die aus meiner Sicht wichtigsten Ergebnisse habe ich in einer eigenen Tabelle zusammengefasst und nach drei Kategorien geordnet: Ausgangslage zur Mitbestimmung, Motivation zur Mitbestimmung und Unternehmenserfolg durch Mitbestimmung (Tabelle zum Lesen klicken):

Haufe-Lexware Tab 4

Ausgangslage zur Mitbestimmung

Zunächst überraschte mich, dass immerhin 25% der Befragten bei unternehmensrelevanten Entscheidungen mitbestimmen dürfen. Mir persönlich erscheint dieser Wert deutlich höher, als erwartet. Hier wäre natürlich die Frage, was die Befragten unter Mitbestimmung verstehen? Wie sieht es konkret aus, wenn sie unternehmensrelevante Entscheidungen mitbestimmen? Selbst zu diesem hohen Wert besteht aber noch eine große Lücke hin zu der Anzahl an Personen, die einen Wunsch nach Mitbestimmung der Unternehmensführung angeben: 25% bestimmen mit, 43% würden gerne.

Eine pure Verschwendung von Kreativität und Innovation besteht in der Ausgangslage zudem darin, dass lediglich 6% der Befragten glauben, dass alle (Verbesserungs-)Ideen tatsächlich bei den Verantwortlichen ankommen. Ein großer Teil der Ideen versacken im Nichts, irgendwo zwischen den Mühlsteinen des Vorschlags- und Verbesserungswesens. Last not least sind zwar laut eigener Aussage die meisten der Befragten an der richtigen Position im Unternehmen, aber immerhin fast ein Drittel (28%) sehen sich nicht an der richtigen Position.

Motivation zur Mitbestimmung

Mitbestimmung und Unternehmensdemokratie sei, so lautet immer wieder eines der Standardgegenargumente, nicht wirtschaftlich. Im Gegensatz dazu steht die Selbstaussage von 77% der Befragten, dass sie gerne mitbestimmen möchten, weil das ihre Motivation und Leistungsbereitschaft steigern würde. Das deckt sich mit den Ergebnissen verschiedener Studien, die ich im ersten Kapitel von „Alle Macht für niemand.“ vorstelle und auswerte. Insofern wird immer klarer, dass Mitbestimmung ein indirektes Instrument ist, um die intrinsische Motivation der Belegschaft freizusetzen.

Immerhin noch 48% geben an, dass sie gerne mehr mitbestimmen wollen, weil sie das entsprechende Wissen und Know-How hätten. Natürlich kann das in Frage gestellt werden, aber wir können wohl davon ausgehen, dass die meisten der Befragten nicht unter krankhafter Selbstüberschätzung leiden. Wenn also fast die Hälfte der Belegschaft wertvolles Wissen für verschiedene unternehmerische Entscheidungen aufweist, ist dies eine weitere Verschwendung, die wirtschaftliche Nachteile in Form von vermeidbaren Kosten und nicht realisierten Gewinnen zur Folge hat.

Wenn 42% angeben, sie möchten mitbestimmen, weil die Entscheidungen von Vorgesetzten oder der Unternehmensführung verbessert werden könnten, dann dürfte diese Meinung bei den Führungskräften vermutlich nicht auf Begeisterung stoßen. Umgekehrt liegt auch hier wieder eine wirtschaftliche Chance, selbst dann, wenn in deutlich weniger Fällen die Führungsentscheidungen verbessert werden würden. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch das nächste Ergebnis.

Unternehmenserfolg durch Mitbestimmung

Führungskräfte und Mitarbeiter wurden beide gefragt, ob das Unternehmen erfolgreicher wäre, wenn sich die Mitarbeiter stärker einbringen könnten. Das überraschende Ergebnis: Bei beiden Gruppen sind jeweils deutlich über zwei Drittel der Meinung, dass mehr Mitbestimmung auch mehr unternehmerischen Erfolg mit sich bringen würde. Tatsächlich liegen die Führungskräfte mit 74% sogar noch knapp über den 73% der Mitarbeiter.

Sollte letzteres Ergebnis tatsächlich breitflächig gültig sein, stellt sich die Frage, warum MitarbeiterInnen in den meisten Fällen (75%) unternehmensrelevante Entscheidungen immer noch nicht mitbestimmen.

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Quelle

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (2014): Express-Umfrage zum Thema „Mitarbeiter und Mitentscheider“. Studie 2014.

2 Kommentare

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  1. […] zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie, die ich ebenso wie die Studie von Haufe-Lexware zu Mitbestimmung und Unternehmensdemokratie in einer eigenen Tabelle zusammengefasst und geordnet habe (zum Lesen Tabelle […]

  2. […] noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema, wie ich im letzten Post über die Studie von Haufe-Lexware dargestellt […]

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